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Vor dem Rathaus in München wird die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 gefeiert. Vor allem bei den Grünen in Bayern ist das Projekt äußerst umstritten.

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München - Freud und Leid lagen für die Grünen in München am Mittwoch nahe beisammen. Einerseits wurde auch in der bayerischen Hauptstadt registriert, dass die Grünen in der neuesten Forsa-Umfrage für den Stern mit 24 Prozent zum ersten Mal stärker sind als die SPD (23 Prozent).

Doch gleichzeitig hatte die Ökopartei im Münchner Stadtrat einen schweren Tag. Auf der Tagesordnung stand das Votum für die Olympiabewerbung Münchens für den Winter 2018 - die Abstimmung über ein Eckdatenpapier also, das die Grundlage für die Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) am 11. Jänner 2011 sein wird.

Die grünen Stadträte stimmten gemeinsam mit dem SPD-Koalitionspartner und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) für die Bewerbung von München und Garmisch-Partenkirchen. Dabei fielen sie allerdings ihrer eigenen Basis in den Rücken. Denn diese hatte zwei Tage zuvor mit Zweidrittelmehrheit entschieden: Wir wollen diese Olympiabewerbung nicht.

"Die Bewerbung tritt grüne Überzeugungen mit Füßen", meint etwa der grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann. Er und viele andere bayerische Grüne kritisieren die hohen Kosten, zu viele Schäden für die Natur und einen intransparenten Bewerbungsvorgang. Diese Vorwürfe weisen die Grünen im Stadtparlament zurück. Sie sind "enttäuscht", dass sie ihre eigene Basis nicht überzeugen konnten, wollten aber die Koalition mit der SPD nicht gefährden. Diese setzte sich vehement für die Bewerbung Münchens ein.

Der Freistaat Bayern würde sich die Spiele 2018 mindestens 200 Millionen Euro und Bürgschaften in Höhe von 30 Millionen Euro kosten lassen. Das geht aus dem Entwurf für das sogenannte Olympiagesetz hervor, das am Mittwoch von der bayerischen Landesregierung (CSU/FDP) beschlossen wurde. Die Mittel werden unter anderem für Bauten verwendet, aber auch für mögliche Fehlbeträge aus Ticketverkäufen.

Auch in Garmisch stand am Mittwochabend im Gemeinderat die Abstimmung für die Bewerbung an. Die Mehrheit galt als gesichert. Allerdings hatte das Konzept deutlich abgespeckt werden müssen. Viele Landwirte hatten sich geweigert, ihre Grundstücke für das "Snow Village" (Athleten-Unterkünfte) zur Verfügung zu stellen. München und Garmisch konkurrieren bei der Bewerbung mit Pyeongchang/Südkorea und Annecy/Frankreich. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2010)