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IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat davor gewarnt, und Zeitungen in aller Welt – auch Der Standard - berichten aufgeregt darüber,  aber die Wahrscheinlichkeit eines Währungskriegs ist äußerst gering.

Es stimmt, dass derzeit alle großen Volkswirtschaften lieber niedrigere Wechselkurse hätten, weil sie über den Export das Wachstum ankurbeln wollen. Und es stimmt, dass nicht alle Länder niedrigere Wechselkurse haben können. Daraus ergibt sich ein klassisches Nullsummenspiel.

Aber zwischen frei handelbaren Währungen kann es keinen echten Krieg geben. Denn flexible Wechselkurse lassen sich weder steuern noch manipulieren. Zentralbanken können versuchen, über Devisenmarktinterventionen – wie zuletzt die Schweiz – oder geldpolitische Maßnahmen – wie nun Japan – Einfluss auf den Wechselkurs zu nehmen.

Aber das scheitert meist; die Marktkräfte sind immer stärker. Die Schweizer Notenbank hat Milliarden verloren, weil der Franken trotz aller Verkäufe weiter gestiegen ist. Die Zukunft des Euro-Dollar-Kurses liegt in den Händen der Märkte, nicht der Politiker.

Und die Märkte sind unberechenbar. Manche erinnern sich noch an die Berichte über die Verschwörung amerikanischer Hedgefonds-Manager, die zu Jahresanfang gegen den Euro spekulieren wollten. Seither ist die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar um gut 15 Prozent gestiegen. So viel zu Währungsmanipulationen.

Echte Wechselkurspolitik können nur Staaten betreiben, die mit Kapitalkontrollen einen Wechselkurs künstlich hoch oder niedrig halten. Heute ist das vor allem China. China ist ein Einzelfall – wenn auch ein wichtiger.

Zwischen den USA und China bahnt sich möglicherweise tatsächlich ein Wirtschaftskrieg an, der allerdings nicht über Währungspolitik, sondern über Handelsschranken geführt wird. Zwar gibt es Vorschläge, wie man über den Devisen- und Kapitalmarkt China zur Aufwertung zwingen kann, aber die klingen alle recht unrealistisch.

Konkreter sind die Handelsmaßnahmen. Das Repräsentantenhaus hat bereits ein Gesetz verabschiedet, das es dem US-Präsidenten ermöglicht, Strafzölle gegen Länder einzuführen, die ihre Währung manipulieren. Sollte das geschehen, wäre das die Vorstufe zum Handelskrieg.

Allerdings sind wir davon noch weit weg. Weder gibt es eine Zustimmung des Senats, noch wäre die Obama-Regierung verpflichtet etwas zu tun. Was sie weiterhin tun wird, ist Druck auf Peking auszuüben, endlich wieder eine Aufwertung des Yuan zuzulassen, um das riesige Handelsungleichgewicht zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu verringern.

Ein stärkerer Yuan wäre im Interesse aller, auch der chinesischen Wirtschaft. Aber ein Wundermittel ist sie auch nicht. Chinas moderate Aufwertung von 2005 bis 2008 hat der US-Wirtschaft nicht viel gebracht.

Und im Umgang mit Peking ist es bekannt, dass allzu lauter öffentlicher Druck überhaupt nichts bewirkt. China wird wieder aufwerten, aber erst, wenn der Druck nachlässt und die Führung so tun kann, als wäre es ihr freier Wille.

Mit Handelssanktionen gegen China würden sich die USA vor allem selber schaden, denn die US-Wirtschaft ist von den Importen aus Ostasien abhängig. Das wissen auch die Entscheidungsträger in Washington.

Dass die EU zu solchen Zwangsmaßnahmen greift, ist noch weniger wahrscheinlich. Wie wenig China die Wünsche der Europäer nach einem stärkeren Yuan ernst nimmt, hat sich beim EU-China-Gipfel in Brüssel gezeigt, wo Premier Wen Jiabao sogar eine gemeinsame Pressekonferenz absagte, um seinen Unmut über die leisen Forderungen aus Europa kundzutun.

Die vielen Voraussagen eines Handelskriegs als Folge der Finanzkrise sind im Vorjahr nicht eingetroffen. Das gleiche wird wohl für den Währungskrieg gelten.