Wien - Die Asfinag plant einen massiven Ausbau der Rastplätze, gleichzeitig werden die Parkplätze erheblich reduziert. Bis zum Jahr 2020 soll sich der Bestand an Rastplätzen von derzeit 23 auf 90 erhöhen, bei den Parkplätzen sollen von den 199 nur noch 20 übrig bleiben. Bei den Raststationen soll es einen Zuwachs von sechs Stationen auf 94 geben, so Asfinag-Chef Klaus Schierhackl am Donnerstag vor Journalisten.

Die Raststationen mussten im Vorjahr bei den Erlösen ein Minus von zehn Prozent hinnehmen, wobei die älteren Bauten "merklich nachgelassen" hätten. Demnächst sollen drei neue Stationen dazu kommen: Voraussichtlich 2011 soll eine in der Nähe von Eisenstadt an der Südost-Autobahn (A3) eröffnet werden, 2012 soll Hörbranz an der Rheintal-Autobahn (A14) folgen und für Freistadt an der Mühlviertler Schnellstraße (S10) wurde gerade ausgeschrieben.

Für den bevorstehenden Winter sieht sich die Asfinag bestens gerüstet. Von den bis zu 100.000 Tonnen an benötigten Streusalz würden 80.0000 Tonnen eingelagert. Weiters wurde die Zahl der Entnahmestellen erhöht, wodurch weniger Leerfahrten notwendig seien. Zur besseren Steuerung der Lkw-Flotte werden noch heuer 100 Lastwagen mit einem Satellitenortungssystem ausgestattet, das obendrein auch noch registriert, wann Salz gestreut wird oder der Schneepflug im Einsatz ist. Um die Einsatzspitzen bei starken Schneefällen besser abzuarbeiten werden verstärkt Frächter eingesetzt.

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wird es weitere Section Control-Einrichtungen geben. Außerdem soll durch bauliche Maßnahmen die steigende Zahl der selbst verschuldeten Unfälle mit Abkommen von der Fahrbahn reduziert werden. Unfälle durch das Durchschlagen des Mittelstreifens hätten sich durch eine bessere Absicherung bereits verringert, so Asfinag-Co-Chef Alois Schedl.

Geändertes Urlaubsverhalten

Das geänderte Urlaubsverhalten macht sich auch auf Österreichs Autobahnen bemerkbar. Im Juli und August wurde ein starker Anstieg des Pkw-Verkehrs verzeichnet, während es am Wochenende einen Rückgang gab, so Schierhackl. Er führt dies darauf zurück, dass die Reisenden weniger von Samstag bis Samstag buchen, sondern flexibler reagieren.

Weniger Flexibilität gibt es hingegen bei dem leidigen Thema Linksfahrer auf der Autobahn, während die rechte Spur halbleer ist. Gerade bei mehrspurigen Autobahnen sei ein Drang zur linken Fahrspur zu beobachten. Auffallend sei auch, das die Geschwindigkeitsreduktionen auf den Verkehrstelematik-Anzeigen zunehmend ignoriert würden.

Grundsätzlich sei eine Zunahme des Pkw-Verkehrs zu beobachten, allerdings im erwarteten Rahmen, so Schierhackl am Donnerstag. Im ersten Halbjahr wurde ein Plus von 1,2 Prozent verzeichnet, wobei die traditionell überlastete Tauernstrecke einen Rückgang verzeichnete, während die Phyrnstrecke verstärkt genutzt werde.

Klamme Kasse

Die Pkw-Vignette wird der staatlichen Autobahngesellschaft Asfinag heuer Einnahmen von 350 Mio. Euro Euro bringen. Die Lkw-Maut spült eine Milliarde Euro in die klamme Kasse. Insgesamt werden Mauterlöse (inklusive Sondermauten) von 1,63 Mrd. Euro erwartet, nach 1,53 Mrd. Euro im Vorjahr, als der Güterverkehr auf Grund der Wirtschaftskrise eingebrochen ist.

Der Jahresüberschuss wird bei 280 Mio. Euro liegen, nach 290 Mio. Euro im Vorjahr. Der Schuldenstand steigt heuer von 11,3 auf 11,9 Mrd. Euro an, davon kommen 600 Mio. Euro aus der Neuverschuldung. Gleichzeitig sinken heuer die Bauausgaben auf 800 Mio. Euro, nach 1 Mrd. Euro im Jahr 2009. Insbesondere die Neubauausgaben reduzierten sich - von 630 auf 340 Mio. Euro. Hier sei es aber auch gelungen, die Kilometerkosten um zehn Prozent zu senken. Von den betrieblichen Aufwendungen von 1,25 Mrd. Euro entfallen 400 Mio. Euro auf den Zinsaufwand.

Schierhackl bekräftigte, dass es keine neuen Anschlussstellen geben werde, wenn sich daran nicht Dritte beteiligen, etwa das betroffene Bundesland oder die Gemeinde oder ein Gewerbepark. Wie das Neubauprogramm 2011 aussieht, ließ sich Schierhackl nicht entlocken. Er verwies auf Eigentümervertreterin Verkehrsministerin Doris Bures, die wiederum ihre Vorgaben erst nach der Wien-Wahl im Zuge der Budgetpräsentation des Bundes vorlegen will.

Nutzungsvertrag läuft 2014 aus

Die Asfinag bereitet sich mittlerweile auf die Nachfolge des derzeitigen Mautsystems vor. 2004 wurde in Österreich die Lkw-Maut eingeführt, basierend auf dem Mikrowellensystem der Wiener Technologiefirma Kapsch TrafficCom. Dieser Nutzungsvertrag läuft 2014 aus, kann aber noch um fünf Jahre verlängert werden. Die staatliche Autobahngesellschaft prüft nun, ob sie bereits ab 2014 auf ein neues System setzt oder das bestehende noch bis maximal 2019 laufen lässt.

Dies hänge unter anderem davon ab, welche Vorgaben es von der Politik gibt - etwa ob eine flächendeckende Maut auch auf niederrangigen Straßen eingeführt werden soll. Das Mikrowellensystem hat sich in Österreich vom Start an sehr gut bewährt, während es beim deutschen Satellitensystem erhebliche Startschwierigkeiten gab. Allerdings gilt das GPS-basierte System der Deutschen als fortschrittlicher, es erlaubt auch die Bemautung sämtlicher Straßen, so Verkehrsexperten. Dass Österreich statt der Implementierung teurer Mautsysteme die Mineralölsteuer erhöht, hält Asfinag-Chef Klaus Schierhackl für unwahrscheinlich. Schließlich gehe es ja auch darum, dass gezielt für die Nutzung der Autobahn abgerechnet wird.

Sorgen bereitet der Asfinag die starke Zunahme der überschweren Sondertransporte. Diese würden durch Tunnelsperren den Verkehr erheblich behindern und außerdem ein Problem für die Brücken darstellen. Eine Extrabemautung wiederum sei mit sehr hohen bürokratischen Aufwand verbunden, gibt Schierhackl zu bedenken. Jährlich fahren rund 30.000 Sondertranspore auf der Autobahn, sie befördern Maschinen genauso wie Luxusjachten. (APA)