Wenn nur die Hülle zählt: Trotz passender Inhalte wurde Bewerbung abgelehnt

Wien - Bachelor und Master an der gleichen Uni belegen? Könnte schwierig werden. Petra Steinkellner (22) etwa bewarb sich nach dem IBWL-Bachelor für den Management-Master an der WU Wien. Voraussetzung für die Aufnahmeprüfung waren Management-Lehrveranstaltungen.

Doch ihre Bewerbung wurde überraschend abgelehnt. Der Grund: Die Studentin hatte eine Lehrveranstaltung absolviert, die den "falschen Titel" trug und daher "nicht in den Bereich Management" passte. Daraufhin holte sich Steinkellner von ihrem damaligen Lehrveranstaltungsleiter eine schriftliche Bestätigung, dass sie die für den angestrebten Master notwendigen Inhalte sehr wohl absolviert hatte - nur eben unter einem "falschen" Namen. Erfolglos. "Es wurde damit argumentiert, dass sich so viele Leute bewerben und daher die Inhalte nicht überprüft werden können", meint Steinkellner fassungslos.

Desillusioniert kehrt sie der WU den Rücken zu und studiert jetzt BWL an der Uni Wien. Für das aufbauende Magisterstudium muss sie im Laufe der zwei Studienjahre drei Prüfungen nachholen. (sni, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2010)

Von Zusatzstunden und dem vergeblichen Warten auf die Anrechnungen

Wien - Um als Diplomstudierender den Bachelor zu erhalten, wird oft die Absolvierung zusätzlicher Stunden verlangt. Doch selbst wenn man diese bereits geleistet hat, kommt es immer wieder zu Anrechnungsproblemen im weiteren Studium.

Daniela Stefanovic ahnte bereits vor ihrer Zwangsumstellung auf das Bolognasystem mit dem 30. November 2009, dass sie das Diplomstudium Transkulturelle Kommunikation nicht zeitgerecht beenden würde können, und absolvierte die vorgeschriebenen Zusatzstunden. Die Anrechnung verlief problemlos, und kurz darauf hatte sie ihren Bachelor in der Tasche.

Als sie sich jedoch die restlichen Prüfungen für das Masterstudium anerkennen lassen wollte, waren sie im Onlinesystem nicht mehr aufzufinden. Also holte sie sich die handschriftlichen Zeugnisse direkt bei den Lehrenden ab, um sie zur Anrechnung einzureichen. "Wenn das mit den Zeugnissen durchgeht", hofft Stefanovic, "werde ich bis Februar mit dem Master fertig." Falls dies im kommenden Semester nicht passieren sollte, muss sie noch ein weiteres Semester auf ihren Master warten. (hat, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2010)

Von Bochum nach Wien: Eine Odyssee durch die Uni-Sekretariate

Wien - Anrechnungen werden unkomplizierter, Abschlüsse besser vergleichbar und der Wechsel von einer Universität zur anderen einfacher: Das verspricht der Bologna-Prozess den Studenten.

Katharine Apostle (27) hat davon wenig gemerkt. Sie studierte an der Ruhr-Universität in Bochum Anglistik und Komparatistik auf Bachelor und kam im September 2008 nach Wien, um in denselben Fächern ihren Master zu machen.

Doch hier erfuhr sie zunächst, dass Bachelor nicht gleich Bachelor ist: Ihr Abschluss wurde in Wien nicht vollständig angerechnet. Bevor Apostle den Master beginnen konnte, musste sie eine zusätzliche Seminararbeit schreiben.

Noch dazu benötigte die Uni Wien für die Seminar-Anmeldung nicht nur Apostles Bachelorzeugnis, sondern zusätzlich ein sogenanntes "Diploma Supplement". Bis die Ruhr-Uni das Dokument - Apostle: "Da steht dasselbe drin wie im Zeugnis" - ausgestellt hatte, waren Monate vergangen. Das Wintersemester war vorüber, das Sommersemester hatte längst begonnen, und Apostle hatte ein Jahr verloren. (reis, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2010)

Knock-out-Prüfung beim Umstieg vom Diplomstudium auf den Bachelor

Graz - Der Umstieg vom Diplomstudium auf den Bologna-konformen Bachelor bzw. Master ist nicht immer einfach. Unerwünschte Nebenwirkungen hat der Geschichte- und Anglistikstudent Adrian Zagler (22) beim Umstieg in Kauf nehmen müssen.

Sein Hauptmotiv für den Wechsel war, dass der neue Studienplan mehr international ausgerichtet ist. Während ihm in Geschichte die Lehrveranstaltungen problemlos angerechnet wurden, musste er in Anglistik das fakultätsweite Basismodul nachholen. Viel Zeit hat er zwar dadurch nicht verloren, allerdings waren diese Stunden für Zagler - laut eigenem Bekunden "unnötig". Einerseits war es nämlich eine bloße Wiederholung von Inhalten, die er schon kannte, und andererseits war die Modul-Prüfung eine Knock-out-Prüfung - Durchfallsquote: 75 Prozent.

Offen bleibt, wie er zum Abschluss kommt. Denn in Geschichte wartet nach der Bachelorarbeit eine Abschlussprüfung auf ihn. "Wie die aussieht oder wer dafür zuständig ist, weiß aber bisher niemand", meint Zagler, selbst die Curricula-Vorsitzende habe "keine Ahnung". (sni, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2010)