Berlin - Obwohl die deutsche Regierung Rücktrittsgerüchte um den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dementiert, wird in Berlin offenbar nach einem Plan B gesucht, sollte Schäuble wirklich zurücktreten. Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge gilt Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Er vertrat Schäuble im Mai schon bei den Beratungen über den Euro-Rettungsschirm in Brüssel.

Schäuble ist seit einem Attentat vor zwanzig Jahren gelähmt. Im Frühjahr wurde ihm ein Gerät zur Regulierung der Darmfunktion implantiert, seither hat der 68-Jährige Probleme mit der Wundheilung. Sein Bruder Thomas Schäuble sagt im aktuellen Stern, dem Minister sei es oft "sauschlecht" gegangen.

Der Finanzminister ist noch bis Ende Oktober im Krankenhaus und führt seine Amtsgeschäfte von dort aus. Sollte sich sein Zustand bis dahin nicht gebessert haben, wird mit einem Rücktritt Schäubles gerechnet. (bau, DERSTANDARD-Printausgabe, 08.10.2010)