Worauf soll man sich nun konzentrieren? Auf das Anschauen der Illustrationen Hannes Binders in seinem vor zehn Jahren erschienenen "Buch der Albträume" - oder auf Urs Widmers diesen Sommer aufgenommenen Vortrag seiner Texte zu den düsteren, ja sinister anmutenden Binder'schen Arbeiten? Oder auf Michael Riesslers gleichzeitige angemessen beklemmende Musikimprovisationen?

Abseitig sind die 22 zoologischen Textminiaturen, die der Zürcher Autor zu den Bildern verfasste. Und überraschend. Wollen sie doch in ihrer animalischen Trauer, ihrer deutlichen schwarzen Grausamkeit, ihrer direkten, zum Teil pathetisch gewandeten Ansprache so gar nicht zu seinen anderen, sanft-poetischen artistischen, im Ton gern versponnenen Büchern passen.

Reichlich albtraumartiges Getier taucht auf: von Heringshai über Schnorchelhuhn und Ratte bis zum Zottelbär. Hie und da reichen allerdings des Autors stimmliche Mittel und seine unausgebildete Stimme nicht ganz aus. Der in München lebende Bassklarinettist und sich mit Zither, Messer und anderem kaum Identifizierbaren sich multiinstrumental betätigende Michael Riessler steuert Schauriges bei. Mehr und mehr drängelt sich die Musik aggressiv in den Vordergrund. Da quietscht und knarrt und wimmert es, und final scheinen die Studiowände Free-Jazz-artig aufzuschreien. (Alexander Kluy / DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.10.2010)