Berlin - FDP-Chef Guido Westerwelle plädiert für eine "fordernde Integration". Einwanderer müssten "unser Wertesystem akzeptieren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe). Der deutsche Außenminister gab zu bedenken, dass er womöglich deswegen "hier besonders engagiert" sei, weil er selbst einer Minderheit angehöre.

Westerwelle, der damit auf seine Homosexualität anspielte, sagte, er lehne es jedenfalls "mit Entschiedenheit ab, mit kultureller Herkunft oder angeblicher religiöser Identität zu erklären, wenn Minderheiten diskriminiert oder Frauen und Mädchen unterdrückt werden". Integration habe "nichts Romantisches, sondern etwas sehr Forderndes", sagte der FDP-Chef.

Mit Blick auf die Äußerungen von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam sei ebenso ein Teil von Deutschland wie das Christentum oder Judentum, sagte Westerwelle, der Islam sei "Teil der gesellschaftlichen Realität Deutschlands". Er fügte aber hinzu: "Unsere kulturelle Wurzel ist die christlich-jüdische Tradition."

Zur Debatte um das Buch des frühen Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin sagte Westerwelle, "dass die Meinungsfreiheit in Deutschland auch sehr kontroverse Bücher ertragen" müsse. Er "gehöre nicht zu denjenigen, die das Buch verdammt haben" und auch nicht zu denen, die öffentliche Forderungen zu Sarrazins Arbeitsvertrag gestellt hätten.

Sarrazin hatte mit Äußerungen über eine angeblich erbliche Dummheit muslimischer Migranten sowie Gene von Juden bundesweit für Empörung gesorgt. Die Bundesbank hatte daraufhin beim Bundespräsidenten seine Abberufung beantragt. Sarrazin verzichtete schließlich selbst auf das Vorstandsamt bei der Bundesbank. Derzeit läuft in der SPD ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn. (APA/dapd)