Die Schlichtung im Streit über das deutsche Bahnprojekt "Stuttgart 21" droht zu scheitern: Die Gegner des Milliarden-Vorhabens bestehen trotz der Absage von Bahnchef Rüdiger Grube weiter auf einen Stopp der Bauarbeiten und der Vergabe von Bauaufträgen als Bedingung für Gespräche.

"Wir wollen auch, dass das Grundwassermanagement ausgesetzt wird", sagte Gangolf Stocker vom Aktionsbündnis gegen "Stuttgart 21" am Dienstag in Stuttgart. Dies hatte Grube am Montagabend ausgeschlossen. Auch die Parkschützer fordern ein vollständiges "Innehalten" während der Gespräche. Stattdessen seien Grube und Baden-Württembergs Regierungschef Stefan Mappus (CDU) auf "Blockadekurs".

Grube sagte, jede Woche, in der nicht gebaut und kein Bauauftrag vergeben werde, koste 2,5 Millionen Euro. Gespräche seien aber dennoch möglich, müssten aber bis Ende November abgeschlossen sein. Er unterstrich erneut den Nutzen des Vorhabens für das Land. In der Region werde durch "Stuttgart 21" jährlich eine zusätzliche Nachfrage von 500 Millionen Euro entstehen. Die CDU-Landtagsfraktion stellte sich nach den Worten einer Sprecherin hinter Grube.

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Mappus erteilte einem generellen Baustopp am Dienstag eine entschiedene Absage. Bahnchef Grube habe das bestätigt, was die Landesregierung schon immer gesagt habe: "Einen generellen Bau- und Vergabestopp gibt es nicht und wird es auch nicht geben", sagte Mappus im arabischen Emirat Katar.

Mappus signalisierte erneut seine Bereitschaft, unterhalb des Themas Baustopp zu Gesprächen über Dinge bereit zu sein, die den Bauzeitplan nicht durcheinanderbrächten. Ein genereller Bau- und Vergabestopp gehe aber nicht. "Das kostet sehr viel Geld. Die Bahn ist ein Wirtschaftsunternehmen und wir sind verpflichtet, mit Steuergeldern ordentlich umzugehen." Gleichzeitig warb er erneut für einen Dialog zwischen Gegnern und Befürwortern von "Stuttgart 21" ohne Vorbedingungen.

Am Abend wollten die Gegner des 4,1 Milliarden Euro teuren Bahnprojekts mit dem Schlichter Heiner Geißler zusammentreffen. Vertreter des Aktionsbündnisses sehen den ehemaligen CDU-Generalsekretär demontiert. "Ich habe die Nase voll von der Disqualifizierung eines Vermittlers, den die Regierungsseite vorgeschlagen hat. Deshalb sprechen wir heute Abend mit ihm selber", sagte der Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat, Werner Wölfle.

"Stuttgart 21" sieht vor, dass der bisherige Stuttgarter Kopfbahnhof als Durchgangsbahnhof in den Untergrund verlegt wird. Die Gegner warnen vor hohen Kosten, negativen ökologischen Folgen und Sicherheitsgefahren durch das Milliardenprojekt. Am Montagabend demonstrierten erneut tausende Menschen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt gegen das Projekt. Nach unterschiedliche Schätzungen von Polizei und Veranstaltern gingen zwischen 10.000 und 30.000 Menschen auf die Straße. (APA/dpa/dapd/AFP/Reuters)