Er sei immer ganz erstaunt, wenn Studierende zu ihm kommen und eine Diplomarbeit über CSR (Corporate Social Responsibility) schreiben wollen, sagt Bernhard Mark-Ungericht, a.o. Professor am Institut für Internationales Management der Karl-Franzens-Universität Graz. Dann frage er sie immer: "Welche CSR meinen Sie?" So klar oder unklar stehe es nämlich allein um den Begriff, oder dem, was sich hinter der "Hülle CSR" verberge. Nämlich je nach spezifischer Interessenslage etwas anderes, so Mark-Ungericht weiter. Für ihn bedeute CSR grundsätzlich, dass Unternehmen Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen, die ihr betriebliches Handeln für andere hat.

Art der Wertschöpfungsketten

Es gehe um die Art der Gewinnerzielung, um die Wertschöpfungsketten in Unternehmen und um integeres Management. Und es gehe bei CSR ganz sicher nicht darum, wie nicht-legitim - etwa durch Missachtung der Menschenrechte oder Arbeitnehmerrechte - erwirtschaftete Gewinne verwendet werden, so Mark-Ungericht in aller Deutlichkeit.

Drei große CSR-Studien hat Mark-Ungericht mit seinen Kollegen Dirk Raith und Thomas Korenjak - die Forschungsgruppe nennt sich "Unternehmen und Gesellschaft" - bislang durchgeführt und festgestellt, dass Unternehmen am häufigsten CSR-Aktivitäten dort setzen, wo es bereits gesetzliche Vorschriften gebe - etwa im Bereich der Gesundheit.

Am zweithäufigsten werden Maßnahmen gesetzt, wo es sich ökonomisch rentiert - etwa bei Energiesparmaßnahmen - und am dritthäufigsten dort, wo es moralisch geboten wäre, wie im Feld der sozialen Beschaffungsauflagen, so der Experte. Interessanterweise sei es auf der anderen Seite wiederum so, dass Unternehmen - laut Umfrageergebnissen - einer Regulierung entsprechender Rahmenbedingungen stark zustimmen, so Mark-Ungericht weiter.

Gefragte CSR-Manager

"Ich möchte ein Plädoyer für geeignete Rahmenbedingungen halten" , sagt er. Wenn Unternehmen sagen, dass sich gesellschaftlich verantwortliches Handeln nicht in wirtschaftlichen Erfolg übersetzen lasse, dann gelte es, so Mark-Ungericht sinngemäß, Rahmenbedingungen zu schaffen, die letztlich Wettbewerbsvorteile für die Verantwortungsbewussten bringen. Er spricht von Transparenz, gezielter Konsumentenpolitik, einem glaubwürdigen CSR-Gütesiegel oder erweiterten Berichtspflichten für große bzw. öffentliche Unternehmen.

Mit dem zunehmenden Druck auf Unternehmen - über die Erwartungen der Öffentlichkeit oder der Businesskunden und Investoren sowie realpolitische Veränderungen - steige auch die Nachfrage nach CSR-Managern. Ein Grund, weshalb an der Uni Graz im Rahmen des Masterstudiums Betriebswirtschaftslehre (BWL) die Spezielle BWL "Wirtschaftsethik und betriebliches Verantwortungsmanagement" als neue Vertiefung angeboten wird. Das Thema müsse an Glaubwürdigkeit gewinnen, um überhaupt am Leben erhalten werden zu können. (haa, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2010)