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Foto: AP/Heribert Proepper
Foto: AP/Heribert Proepper

Die Europäische Kommission hat 2011 zum europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit ausgerufen. Neben der gelebten Bürgerbeteiligung, die Solidarität und sozialen Zusammenhalt stärke, bietet freiwilliges Engagement auch die Chance, neue Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben, heißt es in der Begründung der Kommission. Genau diese Fähigkeiten und Kompetenzen sind mit ein Grund, weshalb immer mehr Unternehmen Corporate Volunteering leisten. Ehrenamtliches Engagement von Mitarbeitern könne die Motivation steigern, Führungsqualitäten fördern und verbessert die Unternehmensreputation.

"Ein Trend in diese Richtung ist merkbar. Früher mussten sich Arbeitnehmer für diese Mitarbeit Urlaub nehmen, jetzt werden sie von Unternehmen ganz bewusst dafür freigestellt" , erklärt Martin Haiderer, Geschäftsführer der Wiener Tafel. So stelle beispielsweise Baxter im Sommer, wenn die Auftragslage geringer sei, Fahrer und Lieferwagen zur Verfügung, um überschüssige Lebensmittel zu sozialen Einrichtungen zu transportieren, sagt Haiderer.

Bewusstseinsänderung in Unternehmen
Volunteering funktioniere aber auch vice versa. So können Mitarbeiter der Wiener Tafel auch beim Logistikunternehmen TNT Einblick in deren Arbeitsalltag gewinnen. Grundsätzlich habe sich das Bewusstsein der Unternehmen für ihre gesellschaftliche Verantwortung in den letzten zehn Jahren stark geändert. "Heute treten die Unternehmen an uns heran" , sagt Haiderer "und dabei weisen wir auch darauf hin, dass sie nicht nur Geld geben, sondern auch den Spirit der Wiener Tafel erleben können."

In allen Stabsstellen der Wiener Tafel ist Volunteering möglich. "Wir versuchen für jeden ehrenamtlichen Mitarbeiter die geeignete Stelle zu finden und bieten Unternehmen bedarfsgerechte und maßgeschneiderte Möglichkeiten für Corporate Volunteering." Denn es gehe auch darum, dass die Mitarbeiter von diesem Einsatz profitieren. Schwierig sei es, wenn für Corporate Volunteering nur ein Tag vorgesehen sei. "Ein Tag ist für uns mehr Aufwand als Unterstützung. Außerdem ist der Profit des Mitarbeiters, nämlich seine sozialen Kompetenzen zu stärken, kaum gegeben" , ergänzt Haiderer.

Motivation durch Best-Practice-Cases
Das Institut zur Cooperation bei Entwicklungs-Projekten (Icep) und die spanische Non-Profit-Organisation Codespa rufen Unternehmen zur Einreichung ihrer globalen Corporate-Volunteering-Programme auf. Das von der Europäischen Kommission kofinanzierte Projekt in Zusammenarbeit mit der Iese Business School (Madrid) will Unternehmen praktisches Know-how zu Implementierung und Management dieser Aktivitäten sowie zu deren strategischer Ausrichtung gemäß den Unternehmenszielen bieten. Die Best-Practice-Cases werden in einem Buch veröffentlicht und sollen Business Leaders weltweit motivieren, ihr spezifisches Wissen, ihre Ressourcen und Fähigkeiten zum gesellschaftlichen Nutzen in Entwicklungsländern zu mobilisieren. Einreichungen sind noch bis 15. Oktober möglich. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2010)