Kunst ist Kommunikation im Hier und Jetzt und für Generationen. Denn bildende Kunst lässt uns symbolisch die Gegenwart erleben und stellt eine Verbindung zur Zukunft her. Die Zukunft ist nicht vorgegeben, sondern wird im Miteinander in die Welt gebracht. Wer und wie wollen wir sein und werden? Durch ihre Kontinuitätswirkung über Gegenwart und Zukunft macht die Kunst den Menschen erst zum Menschen.

In diesem Verständnis ist Kunst an sich nachhaltig. Moderne Nachhaltigkeitsdefinitionen beinhalten neben den drei klassischen Säulen (Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft) mittlerweile auch Kultur inklusive Kunst. Der Begriff "Kulturelle Nachhaltigkeit" hat Eingang in die Wissenschaft gefunden. Daher ist nicht nachvollziehbar, warum Kunst nicht einen weit größeren Stellenwert in der Nachhaltigkeitskultur - und damit im Reporting - einnimmt. Es geht um ein Engagement für Kunstprojekte, das über vereinzelte Sponsoring- und Dekorationsaktivitäten hinausgeht.

"Jeder Mensch ist ein Künstler"

Wenn sich Unternehmen für Kunst engagieren, ist dies nach innen und außen wirksam. Kunstwerke im Arbeitsumfeld regen zu schöpferischer Tätigkeit ebenso an wie zu Widerspruch und unkonventionellen Lösungen für komplexe Themen. Aus Erfahrung wissen wir, dass in Büros mit Kunstwerken die Bereitschaft, sich auf vertiefte Gespräche einzulassen, steigt. "Jeder Mensch ist ein Künstler." Was Joseph Beuys im Zuge seines erweiterten Kunstbegriffs gefordert hat, findet heute zunehmend Akzeptanz. Kreativität ist der Anspruch an die Menschen in den Unternehmen, wollen sie Zukunft haben und erfolgreich sein. Warum sollen Organisationen also in Kunst investieren? Sie schaffen damit einen Spiegel ihres unternehmerischen Selbstverständnisses "aus der Zukunft" . Solche Unternehmen werden als authentisch und "kultiviert" wahrgenommen.

Gerald Hüther, führender deutsche Neurobiologe, fordert sogar einen Kulturwandel auf gesellschaftlicher Ebene mit dem Anspruch der Transformation in eine "Potenzialentfaltungskultur" . (Hannah Rieger*, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2010)