Graz - Beim Bundesheer ist man bemüht, die dreitägige Konferenz, bei der noch bis morgen, Donnerstag, rund 300 Führungskräfte in Graz tagen, nicht an die große Glocke zu hängen. Während Militärangehörige derzeit angehalten werden, sich öffentlich nicht zur wieder aufgeflammten Diskussion über die Abschaffung der Wehrpflicht zu äußern, sitzen Kommandanten aller Bundesländer in der Grazer Belgier-Kaserne zusammen.

"Das ist eine lange geplante Konferenz des Streitkräfteführungskommandos, die nicht aufgrund von irgendwelchen Thematiken einberufen wurde" , stellt Major Edgar Strasser im Gespräch mit dem Standard fest. Es gehe bei dieser Tagung "etwa um "Informationsweitergabe, Wertschätzung, Innovationen im Dienstbetrieb und Verbesserungen im Soldatenalltag" . Jedenfalls seien weder die Abschaffung der Wehrpflicht, noch die Einführung eines Berufsheeres in Österreich "auf unserer sehr straffen Agenda vorgesehen" .

Auf die Frage, ob es nicht wahrscheinlich sei, dass 300 führende Militärangehörige bei dieser Gelegenheit auch darüber reden würden, räumt Strasser ein: "Vielleicht ist es ein Thema in Pausengesprächen." Am Ende der Konferenz will man sich jedenfalls gemeinsam mit einer kurzen Zusammenfassung in einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit wenden, erklärt Strasser. Ob diese auch eine Stellungnahme zur Wehrpflicht beinhalten könnte? "Das werden wir sehen" , so der Major freundlich, aber kurz.

"Ich glaube, jetzt wird dieses Thema schon wirklich ernsthaft diskutiert" , meint hingegen Helmut Konrad, ehemaliger Rektor der Uni Graz, Zeithistoriker und langjähriger Gegner der Wehrpflicht, zum Standard. Schließlich gehe es auch "um eine europäische Perspektive. Man muss sich einmal genau anschauen, für welche Einsätze - zum Beispiel im Katastrophenfall - wir das Heer wirklich brauchen, und welches Gerät dazu nötig ist."

Teure Ausbildung "für nix"

Man müsse überlegen, "was es jedes Jahr kostet, dass zehntausende junge Männern für nix ausgebildet werden" . Konrad betont aber auch, dass das Rote Kreuz und andere Organisationen ohne die im selben Gesetz geregelten 13.000 Zivildiener zusammenbrechen würde: "Deswegen wird man das alles nicht bis 1.1. 2011 erledigen können. Das braucht Zeit."

Auch um die Diskussion über die Neutralität Österreichs, die "nur mehr ein Fetisch" sei, werde man bei dieser Gelegenheit nicht mehr umher kommen, ist der Historiker sich sicher. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2010)