Washington - Der Widerstand gegen einen landesweiten Stopp von Zwangsversteigerungen in den USA wächst. US-Präsident Barack Obama sprach sich zum Nachteil der Hausbesitzer gegen eine Pause aus. "Eine breite Aussetzung hat eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen", sagte sein Sprecher Robert Gibbs am Dienstag. Ein solcher Schritt habe klare Nachteile für den ohnehin noch immer kriselnden Immobilienmarkt. Auch Demokrat Christopher Dodd, der bis November noch dem Bankenausschuss des Senats vorsitzt, lehnte ein Moratorium ab.

Der Vorschlag eines kompletten Stopps der Zwangsversteigerungen kurz vor den US-Kongresswahlen schlägt seit Tagen hohe Wellen in den USA. Gegen entsprechende Forderungen von Politikern wehren sich Branchenvertreter, die bei einer Pause Einbußen befürchten. Der Wertpapier- und Investmentverband SIFMA sprach am Montag von "katastrophalen Folgen" und "ungerechten Verlusten".

Einige Banken sollen Medienberichten zufolge das Verfahren bei Zwangsversteigerungen mit fragwürdigen Mitteln abgekürzt haben. Daraufhin hatten jüngst führende Kongressmitglieder von Obamas Demokratischer Partei Kreditinstitute aufgefordert, dem Beispiel der Bank of America zu folgen. Das Geldhaus hatte als erste US-Großbank Zwangsversteigerungen in allen 50 Bundesstaaten ausgesetzt.

Belastung für Erholung

Nach Schätzung von Experten stehen in diesem Jahr in den USA 1,2 Millionen Häuser zur Zwangsversteigerung an. Die Besitzer haben sich oft auf Hypotheken mit steigenden Zinsen eingelassen, die sie in der Finanzkrise nicht mehr erfüllen konnten. In dem weit verbreiteten Ärger über die mit Milliardenhilfen gestützten Banken stieß der Vorschlag für eine Atempause für die Hausbesitzer als Krisenopfer in der US-Öffentlichkeit auf ein großes Echo.

Analysten warnten, ein Stopp der Zwangsversteigerungen belaste die Erholung der Wirtschaft. Es entstehe Unsicherheit über die Gesundung der Banken, da den Instituten möglicherweise weitere Abschreibungen drohten. Ohne einen Abschluss der Schuldenverfahren hätten die Banken Schwierigkeiten, ihre Bücher von faulen Krediten zu säubern. Ein kompletter Stillstand bei den Zwangsversteigerungen könnte damit für die von der Finanzkrise gebeutelten Banken also noch teurer werden.

Der Bankenausschuss des Senats hat für Mitte November eine Anhörung zu dem Thema angesetzt. Die Aussichten auf konkrete Beschlüsse sind aber gering. Die Demokraten laufen bei den Kongresswahlen am 2. November Gefahr, wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftsflaute empfindlich abgestraft zu werden. Der neue Ausschuss konstituiert sich erst im kommenden Jahr. (APA/Reuters)