Wien - Der börsenotierte Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana konnte in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2010/11 die Ertragslage aufgrund höherer Absatzmengen und Kosteneinsparungen steigern. "Die Verkaufspreise sind aber in allen Segmenten unter Druck geraten", sagte Agrana-Generaldirektor Johann Marihart am Donnerstagvormittag vor Journalisten in Wien. Vor allem die Bereiche Stärke und Fruchtsaft trugen mit einem Gewinnsprung zur positiven Geschäftsentwicklung bei.

Agrana steigerte den Umsatz im Halbjahr 2010/11 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 3,8 Prozent auf 1,073 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um 47,6 Prozent auf 64,8 Mio. Euro deutlich zu. Unter anderem Wechselkursveränderungen drückten das Finanzergebnis auf Minus 16,0 Mio. Euro. Die kurzfristigen Vermögenswerte verringerten sich aufgrund von Lagerabverkäufen um rund 98 Mio. Euro auf 786,2 Mio. Euro.

Steigende Rohstoffpreise

Agrana Vorstandsvorsitzender Marihart rechnet für die zweite Jahreshälfte mit weiter steigenden Rohstoffpreisen. Gegen Ende des ersten Halbjahrs 2010/11 erhöhten sich die Preise bei den für Agrana wichtigen Rohstoffen wie Zucker und Getreide deutlich. Die Rohstoffpreissteigerungen werden laut Agrana die Profitabilität in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres negativ beeinflussen. Für das Gesamtgeschäftsjahr 2010/11 bestätige man die Prognose und erwarte weiterhin eine leichte Steigerung des Umsatzes und des operativen Ergebnisses, so Marihart. Auf die hohe Volatilität an den Rohstoffmärkten reagiere man mit Hedging an den Börsen und mit flexiblen Einkaufskontrakten, so Agrana-Vorstand Fritz Gattermayer. Bis 2006 habe man diese Volatilität nicht gesehen.

Noch keine Neuigkeiten gibt es bei den Kartellermittlungen gegen das Unternehmen: Die Zuckerkonzerne Südzucker und ihre österreichische Beteiligung Agrana haben sich laut österreichischer Bundeswettbewerbsbehörde zwischen 2004 und 2008 mit einem anderen Anbieter den Zuckermarkt per Absprachen aufgeteilt und sollen dafür eine Geldstrafe in ungenannter Höhe bekommen. Die Anklage sei derzeit in Prüfung und man werde eine Stellungnahme abgeben, so Vorstandsmitglied Walter Grausam. Eine Rückstellung habe man aber nicht gebildet.

Knappheit am Zuckermarkt

Aufgrund einer schwachen Zuckerproduktion in Brasilien und Indien erwartet Gattermayer für die kommenden Monate eine Knappheit am Zuckermarkt. Der Preisrückgang bei Quotenzucker aufgrund der EU-Zuckermarktreform führte aber bei Agrana zu geringeren Umsatzerlösen. Durch den höheren Weltmarktpreis für Rohzucker erhöhten sich hingegen die Kosten bei der Zuckerraffinierung. Der Umsatz des Segment Zucker bei der Agrana verringerte sich leicht um 1,4 Prozent auf 366,2 Mio. Euro. Das operative Ergebnis sank um 6,1 Prozent auf 12,3 Mio. Euro. Höhere Beschaffungskosten konnten aber nicht mit höheren Produktpreisen ausgeglichen werden, so das Unternehmen.

Im Segment Stärke konnte Agrana trotz niedrigerer Verkaufspreise ein deutliches Umsatz- und Ertragswachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erzielen. Der Umsatz stieg um 8,3 Prozent auf 272,6 Mio. Euro und das operative Ergebnis kletterte um 51,0 Prozent auf 30,8 Mio. Euro. Absatzsteigerungen, moderate Rohstoffpreise und eine positive Entwicklung der Bioethanol-Produktion waren für die positive Ertragssituation verantwortlich, so Agrana.

Etwas niedrigere Durchschnittsverkaufspreise konnten im Segment Frucht durch gestiegene Absatzvolumina überkompensiert werden. Der Umsatz stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 5,7 Prozent auf 434,5 Mio. Euro und das operative Ergebnis schnellte um 106,7 Prozent auf 21,7 Mio. Euro. Für den Gewinnsprung seien Marktwachstum als auch Marktanteilsgewinne im Fruchtzubereitungsbereich verantwortlich gewesen, so Agrana. Solide Verkaufspreise und Absatzwachstum in Russland und den USA seinen für die positive Geschäftsentwicklung verantwortlich, sagte Agrana-Chef Marihart. ((APA)