Korneuburg - Am Landesgericht Korneuburg hat am Donnerstag ein zweitägiger Prozess gegen einen 58-jährigen Mittelschullehrer begonnen, der am 16. Dezember 2009 am Bezirksgericht Hollabrunn eine Rechtspflegerin erschossen hat. Die Anklage wirft ihm Mord und versuchten Mord an einer Richterin vor. "Es war eine Hinrichtung", sagte Staatsanwalt Stefan Dunkl in seinem Eröffnungsvortrag.

Eingangs appellierte Dunkl an die Geschworenen, den durch Medienberichte bekannten Fall unvoreingenommen zu verfolgen und aktiv am Verfahren teilzunehmen, um die Schuldfrage zu klären. Der Angeklagte habe bereits im Vorverfahren anklingen lassen, dass er sich dahingehend verantworten werde, dass er die Tötung der Richterin nicht vorgehabt hätte und der Tod der Rechtspflegerin ein "tragischer Unfall" gewesen sei. "Er wird sich selbst als Opfer darstellen", so Dunkl, sei aber tatsächlich "gewalttätig und aggressiv".

Laut Dunkl versuchte der 58-Jährige, die Richterin zu töten, indem er mit geladener, entsicherter Waffe ihr Zimmer betrat. Die Tat sei nur deshalb unterblieben, weil sie zufällig nicht im Raum war. Er habe sich jedoch von diesem Misserfolg nicht abhalten lassen, sondern sich eine weitere halbe Stunde im Gebäude aufgehalten und bei der Einlaufstelle deftig über die Richterin geschimpft. Als die Rede darauf kam, die Polizei zu alarmieren, habe der 58-Jährige die Waffe gezogen und ihr aus etwa 25 Zentimetern in den Kopf geschossen.

Verteidigerin Christine Lanschützer stellte eingangs klar, dass das "unendliche Leid", das der Angeklagte verursacht hatte, "nicht mehr ungeschehen zu machen" sei. "Er hatte eine Mordswut im Bauch, im wahrsten Sinne des Wortes." In welchem Maße sich der 58-Jährige strafrechtlich verantworten müsse, hätten aber die Geschworenen zu entscheiden. (APA)