Wien – Rund eine Million Fahrgäste wird in Wien am 6. Mai wegen des Streiks der Wiener Linien umsteigen müssen. Wer am kommenden Dienstag in Wien pünktlich zur Arbeit kommen will, wird sich rechtzeitig um eine Alternative zum öffentlichen Verkehr umschauen müssen.

Zum üblichen Fahrzeugaufkommen werden rund 250.000 Pkw dazu kommen, warnte der ARBÖ in einer Aussendung. Deshalb forderte der Klub eine Aufhebung der Kurzparkzonen an diesem Tag. Auch Parkgaragen sollten ihren Kunden mit Sonderkonditionen entgegen kommen, wurde appelliert.

Etwa zwei Drittel ihrer Wege erledigen die Wiener mit den Öffis und nur ein Drittel mit Pkws, so der ARBÖ.

115.000 bis 130.000 Schüler betroffen

Besonders betroffen werden auch allein in Wien rund 115.000 bis 130.000 Schüler sein, hieß es. Wer nicht von den Eltern mit dem Pkw zur Schule gebracht wird oder mitfahren kann, muss zu Fuß gehen oder radeln. Dabei müssen die jungen Menschen sich in ungewohnter Weise fortbewegen, dies in einer Großstadt, die an diesem Tag viel mehr Verkehr als sonst hat, warnte der ARBÖ.

Wiener Öffis bleiben am Dienstag bis 10 Uhr in den Remisen

Wegen des Streiks der Wiener Linien werden Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen bis 10.00 Uhr in den Remisen bleiben, sagte Karl Kaiser, Vorsitzender der Wiener Hauptgruppe IV (Wiener Linien) in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG) am Freitag zur APA. Die Taxizentralen wollen als Ersatz "alles mobilisieren, was Radeln hat". Die Autofahrerclubs raten zur Bildung von Fahrgemeinschaften.

Bis der öffentliche Verkehr wieder normal funktionieren wird, dürfte es bis in die frühen Mittagsstunden dauern, vermutete der Gewerkschafter.

300.000 Fahrgäste in der Frühspitze

In der Frühspitze sind in Wien normalerweise rund 300.000 Fahrgäste unterwegs. Durch den Streik werden daher – inklusive Umsteigen – bis zu 700.000 Fahrten ausfallen.

Einen Ersatz dafür zu organisieren, dürfte nicht wirklich möglich sein, hieß es dazu bei den Wiener Linien. "In einen U-Bahn-Zug passen rund 900 Fahrgäste, man kann sich ausrechnen, wie viele Busse man da bräuchte", so Wiener Linien-Sprecher Johann Ehrengruber.

Außerdem handle es sich um eine österreichweite Aktion. Es sei daher fraglich, ob sich überhaupt Ersatzbusse auftreiben ließen. Ob man sich zumindest für einige Linien darum bemühen werde, ließ der Wiener Linien-Sprecher offen. Auch Schnellbahnen werden laut ÖBB nicht mehr als sonst verkehren.

Rat zu Fahrgemeinschaften

ÖAMTC und ARBÖ rieten, möglichst nach Mitfahrgelegenheiten zu suchen und Fahrgemeinschaften zu bilden. "Für manche ist ein Umstieg aufs Rad oder ein längerer Fußmarsch in die Arbeit eine Alternative", hieß es in einer ARBÖ-Aussendung.

Im Großeinsatz werden die Wiener Taxifahrer sein. Rund zwei Drittel der 3.950 Fahrzeuge werden ausfahren, vermutet Andreas Curda, Geschäftsführer der Fachgruppe Wien des Taxigewerbes. Leopold Müllner, Chef der Taxizentrale 40100, hofft sogar auf 85 Prozent – die dann aber wohl auch im Stau stecken bleiben dürften. An einem normalen Wochentag ist üblicherweise nur rund die Hälfte aller Taxis unterwegs.

"Wir tun, was wir können", so Müllner. Die Belegschaft in der Zentrale werde verdoppelt, trotzdem sei nicht auszuschließen, dass Kunden am Dienstag mit ihren Anrufen nicht gleich durchkommen könnten. "Wenn alles zusammenbricht, haben Leute Priorität, die ins Spital, zum Flughafen oder zur Bahn wollen", betonte er. (APA)