Wien - Wirtschaftsminister Martin Bartenstein glaubt nicht, dass die Abschaffung der Frühpension zu mehr Arbeitslosigkeit führen werde. Im Gegenteil: "Es gibt eine Verknappung am Arbeitsmarkt. Erst dieser Tage hat die Wirtschaft das Fehlen von Arbeitskräften bemängelt", hofft Bartenstein darauf, dass ältere Arbeitnehmer manche Lücken am Arbeitsmarkt schließen können.

Am Mitte 2004 wird, so sieht es die Pensionsreform vor, das Frühpensionsalter (derzeit 61,5 für ASVG-Männer und Beamte, 56,5 für ASVG-Frauen) schrittweise angehoben. Ende 2009 ist dann die Frühpension abgeschafft, es gilt nur mehr das Regelpensionsalter - 65 Jahre für Beamte und ASVG-versicherte Männer, 60 Jahre für ASVG-versicherte Frauen.

Alois Guger, Pensionsexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes, glaubt nicht, dass der Arbeitsmarkt bei der jetzigen Konjunkturschwäche die zusätzlichen Arbeitskräfte verkraften kann: "Ich sehe derzeit nicht, dass der Arbeitsmarkt das aufnehmen könnte. Die Anhebung des Pensionsalters belastet den Arbeitsmarkt stark." Würden doch, so Guger im STANDARD-Gespräch, neben älteren Arbeitnehmern auch Junge auf den Arbeitsmarkt drängen - das könne zum Anstieg der Arbeitslosigkeit in beiden Gruppen führen. Auch deshalb, weil keine Gegenmaßnahmen geplant seien.

Als weiteres Problem auch der abgefederten Pensionspläne sieht Guger, dass "die Relation bei Kürzungen zwischen Beamten und ASVG-Versicherten nicht stimmt". Bei Beamten sei zwar der Reformbedarf in ihrem Pensionsrecht groß - die Kürzungen aber weniger stark als bei ASVG-Versicherten: "Ein Beamter, der heute 35 Dienstjahre hat, hat durch die Pensionsreform überhaupt keine Einbußen. Ein ASVG-Versicherter mit 35 Arbeitsjahren aber sehr wohl."

Verluste für "Hackler"

Besonders starke Einbußen gebe es für Hackler, kritisiert die Arbeiterkammer. Und rechnet vor: Ein Mann, geboren 1947, der 2008 in Pension geht, würde nach derzeitigem Recht 2048 Euro Pension bekommen. Mit der Pensionsreform falle er zwar unter die Hacklerregelung - verliere aber 21 Prozent und bekomme nur 1659 Euro Pension. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2003, eli)