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Jose Ojeda musste noch im Spital bleiben. Er hatte die erste Meldung aus der Mine geschrieben: "Uns geht es gut im Schutzraum - die 33."

Foto: EPA/Luis Zabreg

Santiago/Wien - Die ersten drei aus der San-José-Mine geretteten Bergleute haben das Krankenhaus schon wieder verlassen. Nach chilenischen Medienangaben handelte es sich um Florencio Avalos, Juan Illanes und den Bolivianer Carlos Mamani. Sie seien aus dem Hospital in Copiapó am späten Donnerstagabend (Ortszeit) in einem Auto weggefahren worden, berichtete die chilenische Zeitung "La Tercera" im Internet. Die Ärzte gehen davon aus, das am Freitag weitere Kumpel zu ihren Familien zurückkehren können.

Überraschend fit

Die 33 Männer hatten das Martyrium unter Tage körperlich fast unversehrt überstanden. Nach ersten Untersuchungen sind sie überraschend fit. Nur einer hat nach Angaben der Ärzte eine Lungenentzündung. Der letzte der Bergarbeiter war am Mittwochabend aus dem Stollen befreit worden. Chiles Präsident Sebastián Piñera kündigte als Konsequenz aus dem Minenunfall bessere Arbeitsschutzgesetze an.

Die Arbeiter waren 69 Tage lang in mehr als 600 Meter Tiefe gefangen. Noch nie hatten Bergleute so lange unter Tage ausharren müssen. Die perfekt organisierte Rettungsaktion dauert nur 22 Stunden und 39 Minuten. Die Bergung ging damit viel schneller als erwartet - ursprünglich hatten die Einsatzkräfte mit bis zu zwei Tagen gerechnet. Die Rettung koste zwischen 10 und 20 Millionen US-Dollar (14,5 Millionen Euro), sagte Piñera. An der Mine solle auch eine Gedenkstätte entstehen. Das Bergwerk soll, solange es nicht gesichert ist, nicht in Betrieb gehen.

"Wir warteten auf den Tod"

Der 27-jährige Richard Villarroel Godoy war der 28. von 33 Kumpeln, die aus der Mine in Chile gerettet wurden. Nach 69 Tagen in mehr als 600 Meter Tiefe kam er am Donnerstagmorgen kurz vor 1.00 Uhr wieder an die Erdoberfläche. In einem Interview mit der "Washington Post" vom Freitag beschrieb er die Verzweiflung der Verschütteten in den ersten 17 Tagen: "Wir warteten auf den Tod", sagte der Chilene, der im November Vater wird.

"Wir schwanden dahin, wir waren so dünn", erzählte der Bergarbeiter. Bis zu ihrer Entdeckung ernährten sich die Kumpel von zwei Teelöffeln Thunfisch pro Tag. Er habe mehr als zwölf Kilogramm abgenommen, sagte Villarroel. "Ich hatte Angst, dass ich mein ungeborenes Baby niemals sehen würde."

Hohes Stresslevel

Die chilenischen Mediziner sagten, alle Bergleute seien "einem sehr hohen Stress-Level" ausgesetzt gewesen. Aber offensichtlich hätten sie die Belastungen gut weggesteckt. "Niemand hat einen Schock", sagte ein Arzt im Krankenhaus in Copiapó. Dorthin waren die Kumpel gebracht worden. "Die gute gesundheitliche Verfassung, in der sie sich befinden, ist eine Überraschung für das Ärzteteam." Einer der Männer habe "mittlere Probleme" mit den Augen. Mario Gómez - nach Medienangaben der älteste von ihnen - werde mit Antibiotika wegen einer "Lungen-Komplikation" behandelt. Er soll angeblich auch eine Staublunge haben, genauso wie Mario Sepúlveda, der gerühmte "Sprecher" der Gruppe.

Psychisch gibt es viel aufzuarbeiten für die Männer: Nach Einschätzung des Marburger Psychosomatikers Wolfram Schüffel werden Spätfolgen meist unterschätzt. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte er, dass sich nach einer derart traumatisierten Erfahrung Krankheiten wie Hochdruck, Infarkte und Infektionen entwickeln könnten. (APA)