Belgrad - Das serbische Parlament hat die in den Balkan-Kriegen der 1990er Jahre an Serben begangenen Verbrechen "aufs Schärfste" verurteilt. Die Erklärung wurde am späten Donnerstagabend mit 133 Stimmen der Regierungskoalition und der pro-europäischen oppositionellen Liberaldemokratischen Partei (LDP) unterstützt. Die nationalistischen Oppositionsparteien, die den Text der Erklärung heftig kritisiert hatten, blieben dem Votum fern.

Die Erklärung bezog sich auf Kriegsverbrechen an Serben in den Kriegen um Kroatien, Bosnien-Herzegowina und den Kosovo. Die Abgeordneten bekundeten auch "Bedauern und Solidarität" mit den Opfern der NATO-Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Frühjahr 1999. Damals kamen offiziellen Angaben zufolge im gesamten Land etwa 2.000 Zivilisten ums Leben. Die NATO setzte mit dem Bombardement dem Kosovo-Krieg (1998-99) ein Ende. Die Opposition stieß sich daran, dass die Luftangriffe an sich in der Erklärung nicht verurteilt wurden. Als "Revision der Geschichte" wurde zudem kritisiert, dass die serbischen Opfer im Zehn-Tages-Krieg um die Unabhängigkeit Sloweniens 1991 nicht erwähnt wurden.

In der Präambel drückt das Parlament auch sein "tiefstes Bedauern" aus wegen der Opfer anderer Völker und ethnischer Minderheiten in den Balkan-Kriegen aus. Außerdem bekundet es seine Entschlossenheit, die volle historische Wahrheit über die Verbrechen an ihren Landsleuten festzustellen und sie juristisch aufzuarbeiten, damit die Verbrecher nicht ungestraft bleiben und sich die Verbrechen nie mehr wiederholen würden.

Das serbische Parlament hatte Ende März mit einer Resolution das Massaker von Srebrenica verurteilt, das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Truppen der bosnischen Serben hatten nach der Einnahme der UNO-Schutzzone im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Männer und Jugendliche vor den Augen der UNO-Blauhelme aussortiert und getötet. (APA)