Die Absetzung des Chefs der Fremdenpolizei, Stefan Stortetcky, sei mehr als ein Bauernopfer, sagt Innenministerin Maria Fekter. Die Betreiberinnen und Betreiber des Freunde-Schützen-Hauses in Wien, aus dem vor eineinhalb Wochen in aller Herrgottsfrühe der Vater und die achtjährigen Zwillingstöchter Komani von einem Trupp mit Rammbock und Schusswaffen ausgestatteter Gesetzeshüter abgeholt worden sind, neigen dazu, ihr zu glauben.

Denn dem Umrühren Fekters in der obersten Fremdenpolizeietage ist ein von der Ministerin initiiertes Treffen mit der Flüchtlingshelferin Karin Klaric und anderen Projektunterstützern vorangegangen. Die Ministerin, so schildern diese, habe sich dabei auf Videoaufnahmen bezogen, die von ihnen, den Hausbetreibern, während der Komanifestnahme gemacht worden sind - und die den polizeilichen Beteuerungen, die Inschubhaftnahme sei zivilisiert , ja geradezu schonend abgelaufen, augenscheinlich widersprechen.

Somit hat der zum Freunde-Schützen-Konzept mit dazu gehörende Entschluss Klarics und Co., fremdenpolizeiliche Skandalamtshandlungen konsequent zu dokumentieren, zu einer Positiventwicklung geführt. Was auf den Videobändern zu sehen und damit beweisbar ist, verletzt Menschen- und Kinderrechtsstandards derart krass, dass selbst Fekter es nicht ignorieren konnte. Und die Empörung bis hinein in ÖVP-Kernschichten über Abschiebungen gut integrierter Kinder und Familientrennungen kam noch hinzu: Das Schaffen von Öffentlichkeit hat sich ausgezahlt.

Ganz ohne jede Öffentlichkeit, ja sogar ohne Möglichkeit rechtsanwaltlichen Schutzes, soll künftig der Beginn aller Asylverfahren laufen. Bis zu sieben Tage lang sollen neu nach Österreich gekommene Flüchtlinge in den Erstaufnahmezentren kaserniert werden, so sieht es die Anwesenheitspflicht vor, die von rot und schwarz im Ministerrat beschlossen werden soll; die kurzfristige Verschiebung des Beschlusses von Dienstag, 19. Oktober auf später ist immerhin positiv zu werten. Interniert werden ab kommendem Jahr Männer, Frauen und Kinder, und wenn sie sich der Einsperrung entziehen, droht ihnen allesamt Schubhaft.

Ohne Notwendigkeit, denn er existieren keine gesicherten Zahlen über zu Verfahrensanfang "abgetauchte" Flüchtlinge, soll also eine Regelung beschlossen werden, die laut etlichen Expertenstellungnahmen im Begutachtungsverfahren menschenrechtswidrig ist. Und die innerhalb der Lagerumzäunungen der Polizei unbeobachtet freie Hand auch bei Kindern und Jugendlichen - etwa unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen - lässt. Eine schlimme Aussicht.