London - Weltweit kommen jährlich mindestens 12.000 Kumpel ums Leben, schätzt die internationale Bergbaugewerkschaft - allein in China starben 2009 mehr als 2600 Menschen bei Grubenunglücken. Schuld daran sind meist mangelhafte Ausrüstung und eklatante Sicherheitsmängel.

Genau dagegen, aber auch gegen Ausbeutung der Arbeitskräfte und Raubbau an der Natur im Bergbau will nun auch Fairtrade ankämpfen. Gemeinsam mit der "Alliance für Responsible Mining" (ARM) hat die Fairtrade-Dachorganisation FLO einen neuen Standard für den Abbau von Gold erarbeitet, mit dessen Hilfe ab 2011 das erste fair geförderte und gehandelte Gold in England auf den Markt kommen soll.

Partner bei diesem Pilotprojekt ist die kolumbianische Organisation Oro Verde, die erstmals Gold nach klar definierten sozialen und ökologischen Standards fördert. Die Auflagen: fixe und regelmäßige Bezahlung der Arbeitskräfte, gesicherte soziale Grundrechte, Gewerkschaftsfreiheit, Mitspracherecht, Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit, Gesundheitsschutz, Einhaltung von Sicherheitsstandards und vor allem auch der Schutz der Umwelt.

Quecksilber-Verbot

Denn bei der "normalen" Goldgewinnung gelangen meist Unmengen von giftigen Chemikalien in Flüsse und in das Grundwasser - in der Folge kann das Wasser nicht mehr getrunken oder in der Landwirtschaft verwendet werden. Bei der Fairtrade-Produktion dürfen keine giftigen Produkte wie Quecksilber verwendet werden - auch müssen die Böden nach den Grabungen wiederhergestellt und bepflanzt werden.

Wie bei anderen Fairtrade-Produkten auch, werden bei der Gold-Zertifizierung eine Mindestbezahlung und Sozialprämien festgeschrieben. Für ökologisch gefördertes Gold wird eine weitere Prämie aufgeschlagen.

Dieser Schritt ist durchaus ein Tabubruch in der bisherigen Fairtrade-Philosophie. Denn bis jetzt wurden ausschließlich Güter des täglichen Bedarfs - wie Lebensmittel oder Textilien - zertifiziert und fair gehandelt. Die Zertifizierung von Gold ist der erste Schritt, auch in der Produktion und im Handel von Luxusgütern Mindeststandards festzuschreiben.

Ziel ist es, mit Fairtrade-Gold mittelfristig einen Marktanteil von rund fünf Prozent zu erreichen. Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner rechnet damit, dass das zertifizierte Gold in frühstens zwei Jahren auch bei heimischen Juwelieren angeboten werden kann. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD-Printausgabe, 18. 10. 2010)