Wien - Am 8. Oktober empfahl der Rückgabebeirat mit 4:3 Stimmen, Egon Schieles Mutter mit zwei Kindern III nicht an die Erben nach Jenny Steiner zu restituieren. Die Grünen beschäftigten sich nun mit der Frage, wie es zu der Entscheidung kam - und brachten ob zweier Begleitumstände eine parlamentarische Anfrage an Kulturministerin Claudia Schmied ein.

Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere, hatte im Vorfeld angekündigt, eine allfällige Restitution nicht zu akzeptieren und um den Verbleib des Bildes in ihrem Museum "kämpfen" zu wollen. Sie versicherte sich zudem juristischen Beistandes: Ernst Ploil, Miteigentümer des Auktionshauses im Kinsky, wurde als "Parteienvertreter" bezeichnet. Seine Argumentation, in der Presse veröffentlicht, wurde von Husslein in Stellungnahmen übernommen.

Der Eigentümer des Bildes ist allerdings die Republik, die von der Finanzprokuratur vertreten wird: Sie überließ es dem Belvedere nur leihweise. Die Grünen fragen daher, wen Ploil vertrat. Den Bund? Und wenn nicht: "Welche Parteienstellung könnte das Belvedere in diesem Fall innegehabt haben?"

Zudem fiel den Grünen auf, dass Artur Rosenauer, stellvertretender Vorsitzender des Belvedere-Kuratoriums, im Rückgabebeirat saß. Gerüchteweise stimmte er gegen die Restitution. Die Grünen fragen daher, ob hier nicht eine Unvereinbarkeit vorliege. (trenk, DER STANDARD - Printausgabe, 19. Oktober 2010)