Wien/Innsbruck - Ab Jänner lastet die Verantwortung für den sekundengenauen Ausgleich zwischen angebotenem und nachgefragtem Strom in Tirol auf der Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG). Tirols Landesenergieversorger Tiwag hat sich mit der APG auf eine strategische Kooperation verständigt. Sie wird Vorteile für beide Beteiligten und Österreichs Stromwirtschaft insgesamt bringen, wie bei der Vorstellung des Projekts am Montag betont wurde.

Zu Beginn der Strommarkt-Liberalisierung ist Österreich 1998 in drei Regelzonen eingeteilt worden - Ostösterreich mit der APG als dort verantwortlichem Regelzonenführer sowie Tirol und Vorarlberg mit den Netzgesellschaften von Tiwag und VKW. Weil die EU-Kommission die Strommarktöffnung weiter vorantreiben will und eine strikte Trennung zwischen Stromverkauf und Netzbetrieb vorschreibt, sind die Unternehmen nun in Zugzwang.

Die Tiwag Netz AG müsste zusätzlich rund 25 Mitarbeiter einstellen, um unter den neuen Anforderungen - losgelöst vom Mutterkonzern - die administrativen Aufgaben als Regelzonenführer in Tirol erledigen zu können. "Deshalb haben wir uns zur Kooperation mit APG entschlossen", sagte Erich Entstrasser, Vorstandsmitglied der Tiwag Netz AG. Tiwag bleibe Eigentümer des rund 400 km langen Hochspannungsnetzes in Tirol, von dem nur ein Teil, das Übertragungsnetz, in die Kooperation mit APG eingebracht wird.

Statt für 85 Prozent wird APG dann für 95 Prozent des österreichischen Hochspannungsnetzes zuständig sein. Die Kosten zur Aufrechterhaltung einer gleichmäßigen Spannungs- und Netzfrequenz betragen österreichweit 60 bis 70 Mio. Euro pro Jahr. Die Hoffnung ist, dass die Kosten sinken.

Ziel sei es, auch Vorarlberg in die APG-Regelzone zu bringen. Das sei komplizierter, weil die VKW-Netz AG stärker mit Deutschland verflochten ist als die Tiwag Netz AG. Der Chef der E-Control, Walter Boltz und APG-Vorstandsdirektor Thomas Karall sind aber zuversichtlich, dass das bis Anfang 2012 gelingt. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.10.2010)