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Den Boden unter den Füßen werden die Steuererhöhungen den Unternehmen laut KPMG wohl nicht wegziehen, dennoch komme eine große Herausforderung auf die Firmen des OECD-Raums zu.

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Wien - Von den knappen Staatsbudgets und den Einsparungen haben die Unternehmen im vergangenen Jahr wenig mitbekommen. Zumindest was ihre steuerliche Belastung betrifft. Der weltweite Körperschaftssteuersatz für Konzerne ist nämlich 2010 neuerlich gesunken.

Bezahlten Konzerne im vergangenen Jahr noch einen durchschnittlichen Steuersatz von 25,4 Prozent, so sind es heuer nur mehr 24,9 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie der Unternehmensberater KPMG hervor.

Ganz anders entwickelt haben sich dagegen die indirekten Abgaben, also insbesondere die Mehrwertsteuer, die 2010 deutlich angestiegen ist. Für diese völlig entgegengesetzten Trends - sinkende Unternehmenssteuern, steigende Mehrwertsteuern - ist laut KPMG der internationale Standortwettbewerb verantwortlich.

Diese Entwicklung lässt sich insbesondere in Europa gut illustrieren. Hier liegt die Belastung für Unternehmen im Schnitt mit 21,5 Prozent ohnehin unter dem internationalen Vergleich. Im vergangenen Jahr haben nur Ungarn und Island ihre Körperschaftssteuer erhöht. Dagegen haben sie mehrere Länder gesenkt: In Großbritannien etwa wird die Körperschaftssteuer derzeit schrittweise von 28 auf 24 Prozent gesenkt. An der Mehrwertsteuerschraube haben dagegen in der Krise mehr Staaten gedreht. Erhöhungen gab es unter anderem in Griechenland, Portugal und davor in Ungarn.

Für neue Diskussionen dürfte die Studie auch in Bezug auf Irland sorgen. In Irland gilt ein Körperschaftssteuersatz von überhaupt nur 12,5 Prozent. In der EU zahlen Konzerne nur in Bulgarien und Zypern noch weniger Steuern. Wegen der Haushaltsprobleme auf der Insel wächst inzwischen der Druck auf Dublin, die Steuersätze an das europäische Niveau anzupassen.

Das irische Defizit dürfte heuer auf über 30 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen. Bis 2014 muss Dublin die Neuverschuldung unter die Maastricht-Grenze von drei Prozent bringen.

Rehn prescht vor

Anfang Oktober brach EU-Kommissar Olli Rehn angesichts dieser Zahlen ein Tabu und kritisierte die irische Steuerpolitik öffentlich. Die Zeiten Irlands als Niedrigsteuerland werden in Anbetracht der Probleme Dublins zu Ende gehen, sagte Rehn.

Unterstützung bekam er aus dem EU-Parlament. Der CSU-Gruppenvorsitzende Markus Ferber und der deutsche Grünen-Abgeordnete Sven Giegold griffen das Thema irischer Dumpingsteuern bei gemeinsam Gesprächen auf. Sollte Irland die EU um Hilfe bei der Bewältigung seiner Budgetkrise ersuchen, müsste es im Gegenzug die Steuern erhöhen, forderten die beiden Politiker.

"Gerade in der Finanzkrise können wir uns den Steuerwettbewerb in Europa nicht leisten", sagte Giegold dem Standard am Montag. Der irische Finanzminister Brian Lenihan schloss Änderungen bei den Unternehmensteuern allerdings prompt aus.

Kein Gehör fand bisher auch die Forderung der Grünen nach der Einführung von Mindest- und Höchststeuersätzen bei der Körperschaftssteuer. Solche Grenzwerte schreibt Brüssel den Staaten bei der Mehrwertsteuer bereits vor. KPMG prognostiziert jedenfalls, dass der Steuerwettbewerb sich weiter verschärfen wird. Ende 2010, Anfang 2011 dürften die weltweiten Abgabensysteme nochmal gehörig umgekrempelt werden. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2010)