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Gerhard Klein.

Foto: APA/Techt

Wien - Der neue Chef der Wissenschaftsabteilung im ORF-Fernsehen, Gerhard Klein, will verstärkt auf Dokumentationen setzen. Er will das Format "Menschen und Mächte" klarer profilieren und zu einer gesellschaftspolitischen Leiste machen, kündigte er am Dienstag bei einem Pressegespräch an. Dass er als Chef der TV-Religion nun auch die Wissenschaft verantwortet, sieht er nicht als inhaltlich unvereinbar. Die Budgets blieben getrennt, inhaltlich erwarte er sich Synergieeffekte, so Klein.

Er habe sich beworben, "weil ich überzeugt bin, dass die Bereiche Bildung, Zeitgeschehen, Wissenschaft, Forschung Schlüsselthemen sind", sagte Klein. "Das Interdisziplinäre ist genau das, was mich besonders interessiert. Ich glaube dass man gewisse Themen gar nicht anders begreifen kann als interdisziplinär", so Klein. Er habe die Religionsabteilung auch der Philosophie, der Ethik und der Gesellschaft geöffnet und einer Reihe Wissenschaftern eine Plattform in Religionssendungen geboten.

Insofern versteht Klein auch die anfänglichen Vorbehalte gegen seine Doppelfunktion aus der Wissenschaftscommunity, die vor einer Vermengung von Religion und Wissenschaft gewarnt hatten, nicht. "Wir sind unabhängig und stellen den Kirchen und Religionsgemeinschaften keine elektronische Kanzel zur Verfügung", sagte er. "Wir beobachten viel mehr kritisch die Vorgänge und Fragen nach der Befindlichkeit des Bodenpersonals."

Die Sendeleiste "Menschen und Mächte" hat zwölf fixe jährliche Termine am Donnerstag um 21.05 Uhr auf ORF 2 und mehrere Sondertermine um 23.00 Uhr. Klein will diese zu einer "Art Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen" umbauen, kündigte er an. "Es ist ja unübersehbar, dass wir uns seit vielen Jahren in einem gewaltigen gesellschaftlichen Umbruch befinden. Diesen Umbruch wollen wir begleiten und neue Wege aufzeigen." Darüber hinaus will er aus "Menschen und Mächte" eine fixe wöchentliche gesellschaftspolitische Dokuleiste machen, was aber realistischerweise erst bei einer künftigen Reform des Programmschemas möglich sei. Ob der Namen beibehalten wird, sei noch offen.

Eines seiner Hauptziele sei die Stärkung der Abteilung und der Ausbau der Wissenschaftsabteilung. Die Budgets zwischen Religion und Wissenschaft blieben getrennt, "Know-how-Transfer" und inhaltliches Zusammenarbeiten erhoffe er sich aber. Für eine gänzliche Zusammenlegung der beiden Abteilungen wäre Klein jedenfalls nicht zu gewinnen. "Davon halte ich überhaupt nichts", betonte er. Die einzige Einsparung durch seine Bestellung sei eben die Ersparnis eines Hauptabteilungsleiters und einer Sekretärin gewesen, die nun an anderer Stelle arbeitet. (APA)