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Von der weltweiten Gesamtbevölkerung von 6,91 Milliarden Menschen leben 5,67 Milliarden in weniger entwickelten Regionen. Hier beträgt das Bevölkerungswachstum 1,4 Prozent, während es in stärker entwickelten Regionen 0,3 Prozent ausmacht. In den ärmsten Gegenden sterben 79 Säuglingen pro 1.000 Lebendgeburten, in den reicheren Ländern sind es 6. Geschätzte 215 Millionen Frauen würden laut Bayr gern verhüten, haben aber keinen Zugang zu Verhütungsmittel. Knapp 80 Millionen Frauen werden jedes Jahr ungewollt schwanger.

Die Zahl der Geburten von Jugendlichen liegt in den ärmsten Regionen bei 103 pro 1.000 von Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren. In Österreich gibt es 13 Teenager-Geburten pro 1.000 Jugendlichen. Österreich ist in diesem Bereich im Vergleich zu Ländern wie die Niederlande (4), Slowenien oder Italien (je 5) "nicht wirklich gut", wie Öllinger sagte. Während etwa in Norwegen 88 Prozent verhüten, seien es in Österreich gerade einmal 51 Prozent.

Grafik: APA/M. Hirsch

In bewaffneten Konflikten wird geschlechtsspezifische Gewalt einschließlich Vergewaltigung immer häufiger als Instrument der Kriegsführung eingesetzt. Diese Form der Gewalt steht im Mittelpunkt des diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsberichts "Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel", der am Mittwoch von der ParlamentarierInnengruppe zu Bevölkerung und Entwicklung (Petra Bayr (SPÖ), Silvia Fuhrmann (ÖVP) und Karl Öllinger (Die Grünen) sowie Natalie Plhak von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) in Wien präsentiert wurde.

Der Bericht fällt mit dem zehnjährigen Bestehen der UN-Resolution 1325 zusammen, welche im Jahr 2000 zum ersten Mal alle Parteien in bewaffneten Konflikten aufforderte, Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt zu schützen und Frauen stärker in friedensbildende Maßnahmen einzubeziehen. Der Weltbevölkerungsbericht basiert auf Reportagen aus Ländern, in denen es Konflikte oder Naturkatastrophen gab und sich auf dem Weg der Stabilisierung befinden: Bosnien-Herzegowina, Liberia, Uganda, Osttimor, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Jordanien und Haiti.

Durch Vergewaltigungen erlittene Traumata nachhaltig

"Frauen, die unter Diskriminierung leiden, sind auch für die negativen Effekte von Krieg, wie sexueller Gewalt anfälliger und können sich weniger in den Wiederaufbau der Gesellschaft einbringen", erklärte Bayr, Bereichssprecherin für Umwelt und gloable Entwicklung der SPÖ. Der aktuelle Weltbevölkerungsbericht mache deutlich, wie die durch Vergewaltigungen erlittene Traumata weit über das Kriegsende hinaus nachwirken und ganze Gesellschaften destabilisieren können. Um den Teufelskreis aus Krisen und Unterentwicklung durch eine Aufwärtsspirale von sozialem und wirtschaftlichem Fortschritt und Empowerment zu ersetzen, sollten Nichtregierungsorganisationen, internationale HelferInnen und die betroffenen Staaten selbst den gesellschaftlichen Wandel durch psychosoziale und juristische Betreuung unterstützen, so Bayr.

Junge besonders betroffen

Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich die Folgen der Krisensituationen auf Jugendliche besonders gravierend auswirken. Durch unterbrochene Schulbildung haben diese auf dem Arbeitsmarkt zerrütteter Ökonomien kaum Chancen. "Es ist besonders wichtig, dass wir jungen Menschen, und besonders Frauen, Zugang zu Bildung ermöglichen." Bildung sei ein zentraler Pfeiler für den Wiederaufbau von Gesellschaften nach Konflikten: "Die Investition in Bildung ist eine Investition in die Entwicklung einer künftigen Generation, die in der Lage sein wird eine gewaltfreie und sichere Gesellschaft aufzubauen", bekräftigte Fuhrmann, die Kultur- und Jugendsprecherin der ÖVP.

Männern helfen

Karl Öllinger wies auf die Gewaltspirale hin, in welcher sich Männer in Konfliktsituationen befänden: "Wenn Männer Opfer von Gewalt werden, geben sie diese an Frauen weiter, sodass diese wiederum an Gewalt leiden." Der Weltbevölkerungsbericht liefere Ansatzpunkte, um die Situation von tschetschenischen Flüchtlingen "nicht nur zu begreifen, sondern auch zu verändern". Österreich dürfe "nicht darauf vertrauen, dass sich die traumatisierten Männer irgendwie integrieren", sagte Öllinger:  "Es bedarf mehr Ressourcen, um traumatisierte Männer zu unterstützten."

Reproduktive Gesundheit: Fortschritte haben sich verlangsamt

Der Bericht führt auch die mangelnde reproduktive Gesundheitsfürsorge in Regionen an, die von bewaffneten Konflikten oder Naturkatastrophen betroffen sind und Menschen in die Flucht zwingen: Zum plötzlichen Ausfall der medizinischen Versorgung komme häufig die Vernachlässigung der Familienplanung hinzu, die schwerwiegende Folgen, wie unsichere Schwangerschaftsabbrüche, mit sich bringen kann. Das Risiko bei der Geburt zu Sterben ist in Konfliktregionen besonders hoch: 60 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit ereignen sich in zehn Ländern, wobei sich davon neun im Konflikt befinden oder gerade im Wiederaufbau sind. Derzeit sterben nach UNFPA-Angaben jeden Tag etwa 1000 Frauen wegen Komplikationen bei der Schwangerschaft oder der Geburt.

Der Weltbevölkerungsbericht legt dar, dass der Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge häufig mit dem Niveau des sozialen und ökonomischen Status der Frauen zusammenhängt: Frauen mit niedrigem Bildungsstand und aus ländlichen Regionen haben schlechteren Zugang zu Verhütungsmitteln und werden häufiger schon im Teenageralter schwanger. Mehr als 200 Millionen Frauen weltweit wollten verhüten, könnten es aber nicht, weil sie keinen Zugang zu Pille oder Kondomen hätten. Knapp 80 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern würden jedes Jahr ungewollt schwanger. Mit einer besseren Familienplanung ließe sich jedoch die Bevölkerungsexplosion mildern, die in den Entwicklungsländern den Kampf gegen die Armut erschwere und die Wahrscheinlichkeit von Konflikten erhöhe. In Afrika habe nur jede vierte Frau Zugang zur Pille oder Kondomen. Weltweit nutzten dagegen 60 bis 70 Prozent der Frauen Verhütungsmittel.

Eines der Millennium-Entwicklungsziele ist, dass jeder Mensch bis 2015 Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge hat. Der weltweite Fortschritt beim Erreichen des Ziels hat sich jedoch verlangsamt.

Gleichberechtigung von Frauen entscheidend

"Mädchen und Frauen dürfen nicht weiter diskriminiert werden", forderte Bayr die Staaten auf, Konfliktsituationen zu nutzen, um Gesellschaften nach Krisen nicht nur wiederaufzubauen, sondern ihre Länder neu und besser zu gestalten: "Mit Frauen und Männern, die gleiche Rechte und Chancen haben und so ein stabiles Fundament für nachhaltige Entwicklung bilden." (red/APA/Reuters)