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Lügen verraten sich selten so deutlich wie in Form einer Pinocchio-Nase - aber wenn man weiß, wonach man suchen muss, wird man rasch fündig.

Foto: APA/EPA

Washington - Lügen lassen sich oft anhand der Wortwahl entlarven - wie dies in einem Wirtschaftskontext aussehen kann, analysierten zwei US-Wissenschafter anhand zehntausender Präsentationen von Unternehmenszahlen. David Larcker und Anastasia Zakolyukina von der US-Eliteuniversität Stanford stießen dabei auf einige charakteristische Muster: So benutzen die Führungskräfte von Konzernen bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen sehr oft das Wort "Wir" statt "Ich", wenn sie unwahre oder ungenaue Angaben zum Abschneiden des Unternehmens machen. Auf diese Weise entledigten sich die Vorstände des Unternehmens ein Stück weit der persönlichen Verantwortung für das Vorgetragene, argumentieren die Forscher.

Ein weiteres Zeichen für unwahre Äußerungen sei, wenn Konzernverantwortliche bei der Vorlage der Zahlen sehr viele Wörter verwendeten, die sehr stark aufgeladen mit Gefühlen seien. Als Beispiel nannten die Wissenschafter die Vorlage der Zahlen der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008, wenige Monate vor deren kompletten Zusammenbruch. Lehman-Finanzvorstand Erin Callan habe damals 14 Mal das Wort "großartig", 24 Mal das Wort "stark" und achtmal das Wort "unglaublich" verwendet. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit falscher Angaben der Studie zufolge, wenn die emotional gefärbten Wörter kaum von tatsächlichen starken Zahlen begleitet seien, was etwa bei Lehman der Fall war.

"Jeder von uns weiß" ... dass gleich eine Lüge kommt

Auch die Verwendung von Allgemeinplätzen wie "Jeder von uns weiß" ist der Studie zufolge ein Zeichen, dass die folgenden Aussagen zweifelhaft sind. Für ihre Forschungsarbeit werteten die Forscher vor allem die Mitschriften von knapp 30.000 Telefonkonferenzen von Unternehmen in den Jahren 2003 bis 2007 aus. Sie entwickelten daraus auf linguistischen Kriterien beruhende Modelle, mit denen der Wahrheitsgehalt einer Präsentation vorhergesagt werden kann. Um zu prüfen, wie gut ihr Modell funktioniert, analysierten sie auch, welche Aussagen und Erwartungen die Unternehmen wenig später wieder korrigieren mussten.

In diesen Fällen unterstellten die Wissenschafter, dass die Vorstände schon zum Zeitpunkt der Telefonkonferenz wussten, dass die tatsächlichen Zahlen ihrer Firma eigentlich weniger rosig aussehen. Die Forschungsarbeit mit dem Titel "Über das Aufspüren von täuschenden Aussagen in Telefonkonferenzen" ist bisher noch unveröffentlicht. Die Studie soll Analysten helfen, Gefahren für die Anleger auch dann vorauszusehen, wenn Zahlen einer Firma gefälscht worden sind. (APA/red)