Wien - Der börsenotierte österreichische Öl- und Gaskonzern OMV rechnet für das dritte Quartal 2010 mit Nettosonderaufwendungen von 250 Mio. Euro. Rund 200 Mio. Euro davon entfallen in etwa zu gleichen Teilen auf Abschreibungen von Strasshof (Österreich) und Kasachstan, heißt es im Trading Statement zum dritten Quartal. Die Entwicklung von Strasshof sowie die Aktivitäten der rumänischen Tochter Petrom in Kasachstan liege unter den Erwartungen. Eine kürzlich durchgeführte technische Evaluierung dieser Felder habe ergeben, dass die ursprünglich erwarteten Produktionsmengen nicht erreicht werden.

In Kasachstan stand die Abschreibung neben den technischen Neubewertungen auch mit der Wiedereinführung einer Exportabgabe in Verbindung, so die OMV. Der Rest entfiel vor allem auf Personalrückstellungen in der Raffinerien West.

Die Gesamtproduktion ging im dritten Quartal leicht auf 316.000 boe/d zurück, nach 318.000 boe/d im zweiten Quartal. Grund dafür waren vor allem Wartungsarbeiten am FPSO (Floating Production, Storage and Offloading)-Schiff in Großbritannien und in der Sauergas-Anlage im österreichischen Aderklaa sowie Produktionskürzungen in Libyen wegen der erhöhter Restriktionen durch die OPEC-Quote.

Die Raffinerie-Referenzmarge sank auf 1,84 Dollar pro Barrel, nach 3,39 Dollar im zweiten Quartal. Im dritten Quartal 2009 betrug sie 1,30 Dollar. Die Mitteldestillat-Spannen hätten sich verschlechtert und führten neben ebenfalls geringeren Margen für Benzin und Naphtha zu einem Rückgang der Raffinerie-Marge. Der Betrieb der Raffinerie Aprechin wurde im Juni gestoppt und im dritten Quartal nicht wieder aufgenommen. Das Marketing-Geschäft profitierte von höheren Mengen wegen der Urlaubssaison und einem besseren Margenumfeld sowohl im Retail- und Commercial-Geschäft. Die Raffinerie-Mengen erhöhten sich im dritten Quartal von 4,55 Mio. Tonnen im zweiten Quartal auf 4,93 Mio. Tonnen, gingen aber Jahresvergleich um 0,29 Mio. Tonnen zurück.

Der Erdgasverkauf lag im dritten Quartal bei 3,11 Mrd. Kubikmetern. Im zweiten Quartal waren es 3,72 Mrd. Kubikmeter. Die im zweiten Quartal abgeschlossenen Rohöl-Hedges trugen im dritten Quartal mit rund 17 Mio. Euro zum Ebit bei. Die Steuerquote vor Berücksichtigung von Sondereffekten und Währungsverlusten sei cirka auf dem Niveau des zweiten Quartals. Die Konzernsteuerquote werde durch diesen Effekt jedoch negativ beeinflusst, so die OMV in ihrem Zwischenbericht zum dritten Quartal. Die endgültigen Ergebnisse werden am 10. November veröffentlicht.

Gewinn 2010 substanziell höher

 

Der Gewinn des OMV-Konzerns wird 2010 "substanziell höher" sein als im Vorjahr, sagte Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am Donnerstag auf der Gewinn-Messe. Die Raffinerie-Marge, die im 3. Quartal stark gesunken ist, habe sich im jetzigen 4. Quartal wieder gebessert: "Momentan geht sie wieder in Richtung 1. Quartal." Nachhaltige Spannen seien aber wohl nur möglich, wenn es weitere Bereinigungen im Raffineriebereich gebe. Aus der Krise komme die OMV mit 200 bis 300 Mio. Euro weniger Kosten heraus, daher sei er optimistisch, sagte Ruttenstorfer.

Das Riesenland Türkei ist für den Öl- und Gaskonzern OMV ein besonders wichtiger, weil besonders dynamisch wachsender Markt. Deshalb unternimmt die OMV jetzt einen neuen Anlauf, um den Anteil am Tankstellen- und Supply-Konzern Petrol Ofisi von derzeit 42 Prozent stark aufzustocken, sagte Ruttenstorfer. Die 54-Prozent-Mehrheit an Petrol Ofisi hält die türkische Dogan. "Wir sind interessiert, unsere Position zu verstärken", so Ruttenstorfer. Dass darüber weiter verhandelt wird, hatte die OMV am Mittwochabend überraschend mitgeteilt. Sollte es zum Bau der Ceyhan-Raffinerie in der Türkei kommen, dann könnte die OMV an einem Anteil interessiert sein, sagte Ruttenstorfer. (APA)