Warschau - Eine Privatschule in Krakau mit 170 Kindern hat sich als erste Schule in Polen dazu entschieden, Kreuze von den Wänden der Klassenzimmer zu entfernen. Geschäftsleute, die namentlich nicht in der Öffentlichkeit genannt werden wollen, übernahmen die Schule im September und entschieden sich für den Schritt. Die örtliche Kurie spricht von einem "Mangel an Toleranz gegenüber Katholiken" und erwägt, keinen Katecheten mehr in die Einrichtung zu entsenden.

"Wir sind tolerant und offen gegenüber Kindern anderer Nationalitäten und anderer Glaubensrichtungen", erklärte die Direktorin der Schule "Salwator", Magdalena Siekanska, den Schritt gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza". Einer der Schuleigentümer sagte der Zeitung, nicht-christliche Schüler könnten sich in einem Klassenzimmer mit einem Kreuz "unwohl" fühlen. Eine Bildungseinrichtung müsse sich aber an Kinder aller Glaubensrichtungen wenden, so der Eigentümer.

Während nach Auskunft der Schule nur wenige Eltern gegen die Maßnahmen protestierten, wird sie von der katholischen Kirche in Krakau eindeutig verurteilt. "So etwas ist noch nie passiert, wir haben es hier mit einem Mangel an Toleranz gegenüber Katholiken zu tun", erklärte Pfarrer Tadeusz Panus, Beauftragter der Erzdiözese für Kinder und Jugendliche. "Es gibt so etwas wie die berechtigte Verteidigung der Rechte der Mehrheit vor den Forderungen einer Minderheit", so der Geistliche zur "Gazeta Wyborcza".

Die Kirche denke nun darüber nach, ihre Katecheten von der Schule abzuziehen und so den Religionsunterricht einzustellen, so Panus. "Das ist keine Erpressung, aber die Schule muss unsere Anforderungen für die Abhaltung des Religionsunterrichts erfüllen", sagte er. (APA)