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Mark Webber am Weg in die Box.

Foto: APA/dpa/Baker

Yeongam/Südkorea - Positiv hat am Freitag der erste Formel-1-Grand-Prix in Korea begonnen. Auf der erst kürzlich fertig asphaltierten und daher rutschigen Strecke in Yeongam gab es zwar zahlreiche Dreher, die Piste selbst hielt aber anstandslos. Tagesbestzeit nach den ersten drei "Tanzstunden" ging an den Red Bull des australischen WM-Führenden Mark Webber vor Fernando Alonso im Ferrari, während Lewis Hamilton mit seinem favorisierten McLaren-Mercedes nur auf Platz drei landete.

Im Vorfeld des Premieren-Grand-Prix in Südkorea hatte es wegen der extrem späten Fertigstellung des Korean International Curcuit Zweifel gegeben, ob die erst vor wenigen Wochen aufgebrachte Betonpiste auch halten würde. Sie hielt und damit ist am Sonntag (8.00 MESZ, live ORF 1, RTL, Sky) ein großer Showdown garantiert.

Weitgehend leere Zuschauer-Ränge

Die Bestzeit für Webber kam vor weitgehend leeren Zuschauer-Rängen insofern überraschend, als man auf dem nagelneuen Kurs wegen der extrem langen Geraden im ersten Streckensektor eher die McLarens im Vorteil gesehen hatte. Der in der WM auf Platz vier liegende Hamilton erzielte zwar am Vormittag Bestzeit, am Nachmittag gaben aber die WM-Konkurrenten den Ton an.

Allen voran Webber, der sowohl mit harten als dann auch auf weichen Reifen vorne war. Der 34-Jährige wollte das aber nicht überbewerten. "Es ist gut, so in ein Wochenende zu starten. Wir sind konkurrenzfähig, wichtig wird es aber am Wochenende." Das sah auch Alonso so. "Ich mag diese interessante Strecke sehr. Sie verändert sich sehr rasch, aber wir sind alle in derselben Situation."

Webber führt nach 16 von 19 Rennen mit 220 Punkten und jeweils 14 Zählern Vorsprung auf seinen Teamkollegen Sebastian Vettel sowie Alonso die WM an und könnte mit einem weiteren Sieg die Weichen im WM-Kampf endgültig auf Sieg stellen. Der letzte Erfolg des vierfachen Saisonsiegers liegt allerdings schon einige Zeit (Budapest im August) zurück und viele favorisieren daher eher Vettel als derzeit stärkeren Fahrer im austro-englischen Red-Bull-Team.

Vettel rutschte ab

Der junge Deutsche war am Freitag allerdings als Siebenter sogar der langsamste der fünf noch um den WM-Titel kämpfenden Piloten, weil er nach einem frühen Plattfuß gleich von den weichen Reifen wieder auf die Options wechseln musste. "Und die waren nicht wirklich optimal", erklärte Vettel.

Zudem rutschte der 23-Jährige einmal kurz in den Staub, als ihn Jarno Trulli bei einem Überholversuch übersehen hatte und dafür von Vettel den Vogel gezeigt bekam. "Das war heute ein richtiger Crashkurs im Rutschen und Driften", meinte Vettel aber dennoch gut gelaunt. Samstag im Qualifying (7.00 MESZ) ist Vettel trotz allem Favorit, allerdings hat er aus acht Saison-Poles lediglich drei Siege geholt. Gelingt ihm am Sonntag endlich der vierte, hätte er nicht nur in der Anzahl an Siegen endgültig zu Webber aufgeschlossen.

Das erfreulichste freilich war, dass es mit der gegen den Uhrzeigersinn gefahrenen und am Nachmittag um drei Sekunden schnelleren Strecke trotz aller Unkenrufe keine Probleme gab. Ein kleines Kunstrasen-Teil löste sich zwar, aber selbst die zahlreichen Dreher und Rutscher der Autos hatten keine Schäden zur Folge.

Boxeneinfahrt "grenzwertig"

Bemängelt wurde lediglich eine rumpelige Stelle sowie die Boxeneinfahrt. Letztere dafür heftig. "Grenzwertig. Man fährt sie blind an, und wenn einer vor dir langsamer wird, weil er an die Box will, kann das haarig werden", befand etwa Vettel.

Das sah auch der Teamchef vom Schwesternteam Toro Rosso, Franz Tost, so. "Die Situation dort mit den engen Mauern beim schnellen Rechtsknick gefällt mir gar nicht", zeigte der Tiroler Bedenken. "Das kann dort ein gefährliches Chaos geben. Unverständlich, aber das ist jetzt auf die Schnelle nichts zu ändern." Es war aber auch bei Tost das einzig Negative. "Ich habe die ganze Kritik an der Strecke nie verstanden. Sie ist gut, es gab keine Zwischenfälle."

Auch Webbers Bestzeit kam für den Gschnitztaler ganz und gar nicht überraschend. "Der Vorteil der McLarens auf der Geraden reicht nicht. Red Bull ist auf dem Rest der Strecke so viel schneller, dass sie das sicherlich kompensieren können", sagte Tost und machte deutlich: "Ich wette Vettel auf Pole." RBR-Teamchef Christian Horner war selbst das nicht genug. "Für uns wäre es besser, wenn der Kurs andersrum ginge und die langen Geraden erst am Schluss kämen", scherzte der Engländer. (APA)