Bild nicht mehr verfügbar.

Maria Vassilakou ist optimistisch und freut sich auf die Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ.

APA-FOTO: ROLAND SCHLAGER

Eineinhalb Stunden nachdem Bürgermeister Michael Häupl bekannt gegeben hatte, dass er Koalitionsverhandlungen mit den Grünen führen wird, trat Grünen-Chefin Maria Vassilakou sichtlich positiv gestimmt vor die Medien. "Es ist eine erfreuliche und gute Entscheidung", sagte sie. "Wir sind bereit und wir sind gut vorbereitet." Sie wolle rasch zu einem Abschluss der Verhandlungen kommen.

Größte Übereinstimmung bei Bildungspolitik

Die grünen Kernkompetenzen würden "auf der Hand liegen". Vassilakou sieht die größten Übereinstimmungen mit der SPÖ im Bereich Bildung. So sei es ein Ziel, Investitionen in die Schulen zu tätigen: "Wir wollen die Frage des Sprachenunterrichts in den Wiener Schulen angehen und auch positiv lösen." Das meiste zu bieten hätten die Grünen im Bereich Klimaschutz und Umweltschutz, und "last but not least", so Vassilakou, in der Frage der Integration: "Wir wollen ein Lebensgefühl entwickeln, in dem jeder das Gefühl hat, gern in Wien zu leben."

Zur Struktur der Verhandlungen sagte Vassilakou, dass Experten bei den Gesprächen dabei sein werden, und die Verhandlungen "einiges an Eigenverantwortung abverlangen" würden. Man gehe mit dem Ziel in die Verhandlungen, möglichst viele der Wahlkampfforderungen umzusetzen, wobei "natürlich viel mehr vereinbart werden wird, als in einem grünen Ressort umgesetzt werden kann". Um allzu heftigen Gegenwind seitens der Interessensvertretungen der Wirtschaft zu vermeiden, "wird es unsere Aufgabe sein, diese einzubinden".

Rolle von Van der Bellen noch unklar

Zur Ressortfrage gab sich Vassilakou verschlossen. Sie wiederholte das, was zuvor schon Häupl gesagt hatte: "Die Ressortfrage steht nicht zu Beginn der Verhandlungen, sondern am Schluss und das ist gut so." Gleichzeitig erinnerte Vassilakou, dass Rot-Grün noch nicht fix sei, sondern: "Wir beginnen zu sprechen, wir möchten das Beste geben, das Gemeinsame suchen und aufeinander zugehen." Und sie zeigte sich zuversichtlich, dass "wir zu einem guten Programm kommen werden".

Vor internen Streiteren fürchtet sich Vassilakou nicht. "Ich bin stolz auf die Grünen und freue mich auf die nächsten Wochen." Die Partei sei geschlossen für die Koalitionsverhandlungen eingetreten.

Welche Rolle Alexander Van der Bellen spielen wird, der aufgrund der hohen Zahl an Vorzugsstimmen in der Liste nach vorne gerückt ist, wollte Vassilakou noch nicht beantworten. Auch welche Ressorts für die Grünen unabdingbar sind, sagte sie nicht.

Glawischnig: "Signal für was Neues"

Erwartungsgemäß erfreut hat auch die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig reagiert. Zwar sei eine Koalition noch nicht fix, sie sei diesbezüglich aber "zuversichtlich", erklärte Glawischnig im Gespräch mit der APA. Glawischnig ortet auch ein "Signal für was Neues" - so gehe es etwa auf Bundesebene bei Rot-Schwarz oft nur mehr um Blockieren und Streit, anders sei es dort, wo die Grünen mitregieren, also in Graz, Bregenz oder Oberösterreich.

Eine rot-grüne Koalition in der Bundeshauptstadt wäre für die SPÖ jedenfalls ein "Akt der Emanzipation von der ÖVP", glaubt Glawischnig. Zu Auswirkungen einer möglichen Koalition zwischen Wiener SPÖ und Grünen auf die Bundesebene erklärte die Parteichefin, man könnte zeigen, was die Grünen "können", wenn sie die Möglichkeit zum Gestalten erhalten.

Bundesländer-Grüne unterstützen Rot-Grün

Positive Stimmen zur möglichen grünen Regierungsbeteiligung kamen aus den Bundesländern. Die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker sagte zur APA, dass auch Wien von einer Grünen Koalitionsbeteiligung profitieren könnte. Allerdings wird es ihrer Ansicht nach "eine ziemlich spannende Herausforderung" sein, weil man sich in der Bundeshauptstadt einem "Moloch der Sozialdemokratie" gegenübersehe. Es müsse daher sichergestellt sein, dass im Kolaitionsprogramm die "Grüne Handschrift" erkennbar sei.

Der Oberösterreicher Rudi Anschober sieht eine "große Chance" für Wien. Mit einem Übereinkommen in Wien würde die Wien weltoffener und ökologischer werden. (rwh, APA, derStandard.at, 22.10.2010)