Weltpolitisch hat diesmal "News" der "Krone" den Rang abgelaufen. Dabei ging es um einen erklärten Liebling des Kleinformats, dem wiederum nur der schöne Karl-Heinz G. vorübergehend den Rang ablaufen konnte. Aber steirische Eichen erweisen sich medial noch immer als beständiger denn Kärntner Ziehsöhne, vor allem dann, wenn wieder einmal der alte Hut Arnie for President? hervorgeholt werden soll. Die Frage wurde - auf dem österreichischen Boulevard - erstmals aufgeworfen, kaum war der Terminator Gouverneur von Kalifornien. Jetzt, wo seine zweite Amtszeit in drei Monaten endet, wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass irgendwer behauptet, The Governator wolle unbedingt Präsident der USA werden und habe die allerbesten Chancen.

Diesmal behauptet das ein Ian Halperin, Verfasser einer Skandal-Bio, kräftig unterstützt vom Bürgermeister des Schwarzen- egger-Geburtsorts Thal, Peter Schickhofer, und seinem Vorgänger Peter Urdl, Initiator des Schwarzenegger-Museums. Laut Halperin existiert zu diesem Zweck sowohl ein Plan A als auch ein Plan B. Ersterer ist geradezu teuflisch und besteht in Folgendem: Arnold und seine loyalen Mitstreiter haben einen Aufsehen erregenden Plan geschmiedet, in dem er weder als Republikaner noch als Demokrat ins Weiße Haus einziehen soll, sondern als unabhängiger Kandidat. Er würde sich aber nicht so nennen", erklärte ein Konsulent. "Sie sind gerade dabei, einen neuen Namen zu finden, und testen in Fokusgruppen mehrere Vorschläge." Der Konsulent ist sich sicher: "Gouverneur Schwarzenegger hegt keinen Zweifel, dass er die Präsidentschaftswahl gewinnen wird.

Der Sicherheit des Konsulenten werden nicht nur der Initiator des Schwarzenegger-Museums und der Bürgermeister des Schwarzenegger-Geburtsorts beipflichten, sondern auch alle heimischen Boulevard-Medien, die Schwarzeneggers Kompetenz, Herr im Weißen Haus zu werden, aus terminatorischen Maximen begründen wie: "Ich bin für Macht und Autorität. Die Leute brauchen jemanden, der auf sie aufpasst", oder: "Menschen brauchen jemanden, der sagt, was sie tun, wie sie sich verhalten sollen." Das könnte natürlich auch jemand aus der Tea-Party sein, aber Arnold glaubt, dass die amerikanische Bevölkerung ihm ihre Stimme geben wird, um das ewige Hickhack zwischen den beiden Parteien zu beenden.

Leider gibt es auch diesen Plan B, der auf Zweifeln gründet, die Arnie angesichts der amerikanischen Verfassungsrealität gelegentlich befallen dürften. Obwohl ich, so Autor Halperin, seit Monaten höre, dass die Schwarzenegger-Kampagne grünes Licht hat, so hat ein Stratege angedeutet, dass Arnold vielleicht Zweifel hat, zu gewinnen. "Ich habe ihn vor einer Woche das erste Mal davon sprechen gehört, dass vielleicht ein anderer als er selbst an der Spitze seines Movements stehen könnte", so der Stratege. Dieser Mann ist Michael Bloomberg, der Bürgermeister von New York.

Das wäre schade, denn der Bürgermeister von Thal, Peter Schickhofer, befürwortet Arnies Avancement (was einer Vorentscheidung gleichkommt): "Er hat in Kalifornien bewiesen, wozu er fähig ist." Und der in Kalifornien lebende Wiener Schauspieler Roland Kickinger: "Er würde dieses Amt großartig ausfüllen."

Bedauerlich, dass in dieser entscheidenden Situation der Weltgeschichte ein anderer Österreicher glaubt, Arnie, und damit natürlich auch dem Bürgermeister von Thal und dem Initiator des Schwarzenegger-Museums, in den Rücken fallen zu müssen. Hanno Settele, Leiter des ORF-Büros in Washington: "Es ist aus meiner Sicht völlig unrealistisch, dass Schwarzenegger ins Weiße Haus kommt. Ich sehe nicht, wer Arnold auf dem Weg zur Verfassungsänderung unterstützen sollte." Und besonders fies: "Der Kanadier Ian Halperin träumt vom warmen Eislutscher", was für "News" noch lange kein Grund ist, nicht patriotisch mitzuträumen.

Die "Krone" hatte zwar keinen Arnie, aber auch einen gläubigen Bürgermeister, und zwar den von Spittal. Stadtchef (49) mit übersinnlichen Kräften? Bürgermeister ist als "Wunderheiler" tätig, enthüllte sie Mittwoch. Er könne mit seinen Händen die Energie jedes Menschen harmonisieren, Blockaden der Energiebahnen lösen und unterschiedlichste Krankheiten und Gebrechen bessern. Aber keine Angst: "Ich berühre den Körper meiner Klienten nicht, meine Hände wirken wie Scanner." Österreichs Bürgermeister werden oft unterschätzt. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 23./24.10.2010)