Die schrägsten Geschichten mit den überraschendsten Rollen gehen nie auf Sendung. Die heben die Fernsehmacher für sich selbst auf. Schauplatz Küniglberg, Abteilung Groteske.

Infodirektor Elmar Oberhauser gibt den Helden der Unabhängigkeit. Eine interessante Besetzung. Oberhauser ist auch Direktor, weil er 2006 freiheitliche Stiftungsräte zu jener schillernden Koalition brachte, mit der Alexander Wrabetz gegen die ÖVP ORF-Chef wurde. Und nicht wenige, die schon an Oberhausers Tafel im Promilokal Do & Co gesessen sind, wollen gehört haben, dass an seinem Tisch keiner zahle. Vielleicht war es da schon spät und laut.

Oberhauser wirft sich derzeit auffällig dazwischen, wenn er Besetzungswünsche der Politik wittert. Vor dem Pensionsalter hat man einen Ruf zu polieren. Für die Nachrede - oder für die nächste Generalswahl.

Die der ÖVP versprochene TV-Magazinchefin verhinderte Oberhauser. Nun explodierte er, als der General beim TV-Chefredakteur der SP (und den Redakteuren) folgte und nicht ihm: Sauberkeit und Unabhängigkeit gingen flöten. So schlagartig schafften es bei der ÖVP wenige vom Verhinderer zum Garanten "unabhängiger Personalpolitik". Just die SPÖ wirft ihr "parteipolitische Taktiererei" vor.

ORF-Chef Alexander Wrabetz gibt den ebenso sauberen Helden: Oberhauser habe mit seinem internen Protest die Glaubwürdigkeit des ORF "öffentlich beschädigt" . Eine gewagte Besetzung für einen Roten, der sich als einer der ersten der Freiheitlichen eines Jörg Haider und eines Heinz-Christian Strache bediente. Drei Direktoren bekamen sie damals dafür.

2011 wird wieder ein ORF-Chef gewählt. Die SPÖ hat die meisten Stimmen. Ihr Parteichef wollte Wrabetz noch vor zwei Jahren stürzen. Da sortiert der ORF-General lieber nach rotem Wunsch um: Der TV-Chefredakteur wird Radiodirektor. Der TV-Vize und logische Nachfolger muss ins Radio, damit ein anderer TV-Chefredakteur werden kann.

Alle drei übrigens hervorragende Journalisten, wie so viele im ORF, die das Gesetz allesamt ausdrücklich zur Unabhängigkeit verpflichtet. Kein leichter Job. (Harald Fidler /DER STANDARD, Printausgabe, 23.10.2010)