Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: AP

Die meisten Menschen wollen im Alter so lange wie nur möglich in ihren eigenen vier Wänden leben. Um ihnen einen möglichst eigenständigen und sicheren Alltag zu ermöglichen, wird seit vielen Jahren an sogenannten Ambient Assisted Living-Lösungen (AAL, grob übersetzt: umgebungsgestütztes Leben) gearbeitet.

Alltägliche Hilfestellung

In der intelligenten, mitdenkenden Wohnung wird der Bewohner zum Beispiel beim Verlassen der Wohnung erinnert, alle Lichter zu löschen, die Fenster zu schließen und das fließende Wasser abzudrehen. Ein elektronisches Helferlein kontrolliert die Medikamenteneinnahme.

Sensoren erkennen Veränderungen von Aktivitätsmustern in der Wohnung. Werden beispielsweise von einem als Frühaufsteher bekannten Menschen zu Mittag immer noch keine Bewegungen registriert, wird Alarm geschlagen.

Prototyp

"Assistenzsysteme für wohltuendes und sicheres Altern sind auch eine große Chance für unser Gesundheitssystem, Kosten einzusparen", nennt Walter Hlauschek, Leiter des außeruniversitären Wiener Forschungsinstituts Ceit Raltec, einen weiteren Vorteil solcher Lösungen. Er und seine Kollegen haben in einer Demo-Wohnung im Otto-Koch-Seniorenzentrum in Schwechat einen Prototyp ihres "eHome" aufgebaut. Für das - noch nicht serienreife Raltec-System - rechnet Hlauschek mit Investitionskosten von rund 3000 Euro. "Stellt man diese Kosten in Relation zu den Kosten für Heimplätze, kann man sich ausrechnen, wie schnell sich das amortisiert."

Während europäische und nationale Förderprogramme die AAL-Forschung vorantreiben, zeigen Privatunternehmen noch wenig Interesse an dem vielversprechenden Markt für intelligentes und barrierefreies Wohnen. In Österreich ist IT-Dienstleister Beko mit seiner Smarthome-Lösung Homebutler vorgeprescht. In einer betreuten Wohnanlage in Linz-Pichling ist Ambient Assisted Living bereits Realität.

Erste Investitionen

250.000 Euro investierten die Stadt Linz und das Land Oberösterreich in die Erstaustattung von 25 Wohneinheiten, die im August bezogen wurden. Neben Sicherheitseinrichtungen unterstützt das Homebutler-System auch die Organisation von Betreuungsdiensten und zeichnet Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Blutzucker oder Gewicht auf.

Es sei vielleicht ein notwendiger Weg, AAL zunächst in Einrichtungen einzuführen, in denen konzentrierter Bedarf herrscht, meint Raltec-Geschäftsführer Hlauschek. Denn eingehende Informationen und der breite Austausch von Erfahrungen seien eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz von Assistenzsystem durch die Nutzer.

Nicht minder wichtig sind einfache Bedienbarkeit und die Wahrung der Privatsphäre der Menschen. Denn, wie der Name schon sagt: Assistenzsysteme sollen Menschen helfen, den Alltag zu meistern, und nicht, sie zu überwachen. (Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe; 23.10.2010)

Der WebStandard auf Facebook