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Der implantierte Neuro-Stimulator reagiert automatisch auf alle Aktivitäten der Patienten (Symbolfoto)

Foto: APA/Martin Gerten

Wien/Graz - Ein implantierbarer Schmerz-Schrittmacher der neuesten Generation nützt seit Kurzem eine auch bei Mobiltelefonen verwendete Bewegungssensoren-Technologie, um die Behandlung schwerster Schmerzen durch Rückenmarks-nahe Neurostimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) SCS noch wirksamer zu machen. Darauf macht die Österreichische Schmerzgesellschaft in einer Aussendung aufmerksam. "Anders als bei früheren Schrittmacher-Generationen muss das System bei veränderter Körperhaltung oder Aktivität seines Trägers nicht manuell neu eingestellt werden", so der Grazer Schmerz-Spezialist Josef Neuhold vom Krankenhaus der Elisabethinen anlässlich der 10. Österreichischen Schmerzwochen der ÖSG. Das innovative Gerät messe als weltweit erstes Implantat zur Schmerzbehandlung laufend Stärke und Richtung der Erdanziehungskraft, registriere so die Veränderung der Körperposition oder Aktivität der Patienten und optimiert automatisch die für eine Schmerzlinderung erforderliche Stimulation. Das sei selbst bei unkontrollierten Bewegungen möglich."

Anwendung der SCS

Im KH der Elisabethinen in Graz befindet sich das erste deutschsprachige Ausbildungszentrum für die Anwendung der SCS in Europa.
Die SCS ist eine Standardbehandlung bei schweren Rücken- und Beinschmerzen. Sie erfolgt durch ein implantierbares Gerät, das über kleine Elektroden milde elektrische Signale rückenmarksnah sendet. Diese Stimulation maskiert die Schmerzsignale des Körpers durch einen sanften Reiz, wodurch Patienten anstelle der Schmerzempfindung ein Kribbeln verspüren. "Weil und Patienten sich ständig bewegen, sowohl im Wachzustand als auch im Schlaf, sollte ein Neuro-Stimulator, der automatisch auf alle Positions- und Aktivitätsänderungen der Patienten reagiert, zu einer besseren Schmerzkotrolle und einem möglichst normalen Leben beitragen", so der Schmerzexperte.

Der Sensor des neuen Neuro-Stimulators erkennt Positionswechsel und wendet automatisch die bevorzugte Stimulationsstufe an, die für diese spezielle Position identifiziert und programmiert wurde. Das Gerät registriert und speichert außerdem die Häufigkeit dieser Haltungs- und Aktivitätsveränderungen.  Diese Daten sind erstmalig in einem speziellen Gerät verfügbar und liefern eine Rückmeldung an den Klinikarzt, der dadurch erkennt, ob sich die Aktivitätsstufe und die individuellen Stimulations-Anforderungen eines Patienten im Laufe der Zeit ändern. Die SCS ist eine analgetische Therapie, die zur Unterstützung bei der Behandlung chronischer, zum Beispiel medikamentös nicht beherrschbarer Schmerzen an Rumpf oder Extremitäten indiziert ist. Die zweijährige PROCESS-Studie hat vor kurzem gezeigt, dass bei Ergänzung der konventionellen medizinischen Behandlung mit SCS bei Patienten mit Schmerzen der unteren Extremitäten mit oder ohne Rückenschmerzen signifikante Verbesserungen hinsichtlich der Schmerzlinderung und der Lebensqualität beobachtet werden. (red)