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Prost! Der Chef der BBAG/Brau-Union-Gruppe, Karl Büche und Heineken-Chef Anthony Ruys (r.) stoßen auf den Bier-Deal an.

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Wien - Österreichs größter Getränkekonzern, die Linzer Brau-Beteiligungs AG (BBAG), wird um rund 1,9 Mrd. Euro an den niederländischen Brauereiriesen Heineken verkauft. Die Brau Union, in der die Bieraktivitäten der BBAG gebündelt sind, soll künftig als "Brau Union neu" auch die Aktivitäten von Heineken in Zentral- und Osteuropa managen. Die Zentrale der Brau Union, die als Teilkonzern von Heineken kommendes Jahr neu aufgestellt wird, soll in Österreich bleiben.

BBAG-Chef Karl Büche sprach am Freitag bei der Präsentation des Deals von einer "Vernunftehe mit großer Zuneigung." Mit Heineken habe man einen Partner gefunden, "wie er nicht besser zu uns passen könnte." Mit allen großen Bierkonzernen Europas habe man Gespräche geführt. Die Niederländer hätten nicht nur von den Entwicklungsmöglichkeiten her das beste Angebot gelegt, auch finanziell sei das Offert am interessantesten gewesen.

"Markenvielfalt bleibt bestehen"

Zusammen sei man die Nummer eins in Zentral- und Osteuropa, das Geschäftsvolumen der Brau Union würde sich mit einem Schlag verdoppeln. Angst vor dem Einheitsbier müsse niemand haben. Büche: "Die Markenvielfalt wird bestehen bleiben."

Heineken-Chef Thony Ruys sprach von einem "großen Tag". Die BBAG sei schon lange auf der Wunschliste ganz oben gestanden. Büche werde Chef der "Brau Union neu" werden und darüber hinaus in den Heineken-Vorstand einziehen, sagte Ruys.

Kleinaktionäre

Die Übernahme der BBAG ist in zwei Schritten geplant: Zunächst will Heineken die Mehrheit über die Getränke-Beteiligungs AG (GeBAG) erlangen, in der die Gründerfamilien ihre Interessen gebündelt haben. An die Kernaktionäre wird ein bis 13. Juni laufendes Angebot von 11,8 Euro je Aktie gelegt. Nehmen mindestens 75 Prozent dieses Angebot an, will Heineken ein öffentliches Übernahmeoffert für den Streubesitz der BBAG und der Brau Union machen. Pro BBAG-Stammaktie sollen 124 Euro, pro Brau-Union-Stammaktie 127,7 Euro bezahlt werden. Damit bietet Heineken den Minderheitsaktionären einen Preis, der 93 Prozent über dem BBAG-Durchschnittskurs des vergangenen Jahres und 122 Prozent über dem Brau-Union-Durchschnittskurs des letzten Jahres liegt.

Analysten sprachen von einem "fairen Preis". Für Mark Kerekes von der Raiffeisen Centrobank ist "überraschend", dass auch der Immobilienzweig und die nicht alkoholischen Getränke in einem Aufwasch verkauft werden. In der Rechtsanwaltskanzlei Wolf Theiss & Partner, die als Berater für BBAG tätig waren, verwies man zur Erklärung auf das Gesamtpaket, das so attraktiv gewesen sei, dass andere Optionen nicht infrage gekommen seien. Die Aktien von BBAG und Brau Union legten nach Bekanntgabe des Deals kräftig zu.

Erneut Rekordergebnis

2002 hat die BBAG das zweite Jahr in Folge ein Rekordergebnis erzielt. Bei einem kaum veränderten Umsatz von 1,1 Mrd. Euro weist der Konzern ein Betriebsergebnis (Ebit) von 79,5 (68,4) Mio. Euro aus. Das Ergebnis je Aktie sei um 54,2 Prozent auf 3,27 Euro gestiegen, sagte Finanzvorstand Wolfgang Berger-Vogel. Freuen können sich auch die Aktionäre. Die BBAG wird die Dividende auf 1,54 (1,40) Euro je Aktie erhöhen. Für die Biertochter Brau Union AG wird eine Dividende von 1,87 (1,70) Euro je Aktie gezahlt. (Günther Strobl, DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.5.2003)