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DÖW-Leiter Wolfgang Neugebauer (Archivbild 1998)

Foto: APA/Schlager
Wien - 1963, vor 40 Jahren, haben sich ehemalige Widerstandskämpfer, Verfolgte und engagierte Wissenschafter für die Gründung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) zusammengefunden. In den vier Jahrzehnten seither hat sich das DÖW zu einer der ersten Adresse für die Dokumentation von und den Einsatz gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus entwickelt. Gefeiert wird der runde Geburtstag bei einer Festveranstaltung im Rahmen der Wiener Vorlesungen am Montag, 5. Mai. Außerdem wird eine Broschüre über das DÖW und seine Arbeit publiziert.

"Es geht uns um die Bewahrung der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus", fasst DÖW-Leiter Wolfgang Neugebauer im Gespräch die Aufgabe seiner Einrichtung zusammen. Das sei aber nicht im Sinne eines Museums zu verstehen, sondern auch als Auftrag, allen Tendenzen rassistischer, rechtsextremer oder antisemitischer Art entgegen zutreten.

Aufgaben

Deshalb widme man sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Verfolgung und Widerstand genauso wie der pädagogischen Arbeit, der Erwachsenenbildung und der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit. Das DÖW versteht sich in diesem Sinn auch als Serviceeinrichtung für alle, die auf diesem Gebiet arbeiten. Dies betrifft Wissenschafter genauso wie Journalisten.

Keine grundsätzliche Feindschaft gegenüber FPÖ

Immer wieder von Kritik aus dem DÖW betroffen ist vor allem auch die FPÖ. Dabei handle es sich aber nicht um eine grundsätzliche Feindschaft, betont Neugebauer: "Wir sind keine grundsätzlichen politischen Gegner der freiheitlichen Partei." Kritik werde vielmehr auf wissenschaftlicher Ebene geübt. Es gehe um das Aufzeigen von rechtsextremen, revisionistischen, deutschnationalen und antisemitischen Tendenzen, die sich vor allem unter der Parteiführung Jörg Haiders gezeigt hätten.

Diese Einschätzung sei freilich nicht für alle Zeiten fix: "Wenn sich die Politik, die Struktur und die Inhalte der Freiheitlichen Partei ändern, würden wir dem auch Rechnung tragen", so Neugebauer.

Aufsehen

Die Auseinandersetzung mit Haider hatte vor fast zehn Jahren jedenfalls für großes Aufsehen im Umfeld der Veröffentlichung des vom DÖW herausgegebenen "Handbuchs des österreichischen Rechtsextremismus" gesorgt. Der Umschlag, auf dem Haider vor dem Hintergrund der ehemaligen deutschen Reichkriegsflagge abgebildet war, musste nach einer Klage der FPÖ geändert werden.

Eine neue Auflage der zuletzt 1996 erschienen Publikation plant Neugebauer vorerst nicht. Angesichts der neuen technischen Möglichkeiten bediene man sich auch lieber des Internets, weil man dort schneller und aktueller auf Entwicklungen reagieren könne.

Ebenfalls über die DÖW-Homepage abrufbar ist das Ergebnis des bisher größten Projekts des DÖW, der namentlichen Erfassung der österreichischen Holocaust-Opfer. Von den 65.000 Namen habe man beinahe 63.000 festmachen können. Jetzt wolle man sich der Opfer politischer, religiöser oder nationalistischer Verfolgung sowie Widerstandskämpfern widmen.

Zukunft

Für die Zukunft wünscht sich Wolfgang Neugebauer, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands, vor allem mehr Geld. Eigentlich tragen der Bund und die Stadt Wien das DÖW zu gleichen Teilen, 1995 wurden dafür je drei Millionen Schilling (218.019 Euro) fixiert. Im Vorjahr hat dann Wien seinen Beitrag um rund 36.000 Euro aufgestockt, der Bund blieb bei seinem Betrag. "Das blockiert uns natürlich beim Ausbau unserer Tätigkeiten", so der DÖW-Chef. Zu der Basisfinanzierung kommen noch projektorientierte Gelder.

Im DÖW beschäftigt sind laut Neugebauer 15 hauptamtliche Mitarbeiter, dazu kommen bis zu fünf temporäre wissenschaftliche Mitarbeiter und derzeit fünf Zivildiener. Zusätzliche hat das Dokumentationsarchiv rund 15 ehrenamtliche Mitarbeiter, Zeitzeugen und ehemalige Widerstandskämpfer. Präsident der Stiftung ist seit heuer der frühere Finanzminister und Stadtrat Rudolf Edlinger. Untergebracht ist das DÖW im Alten Rathaus in der Wiener Innenstadt.

Gründung

Gegründet wurde der Verein DÖW 1963 von ehemaligen Widerstandskämpfern sowie von Wissenschaftern, darunter Paul Schärf und dem erste Leiter Herbert Steiner. Die relativ späte Gründung - 18 Jahre nach dem Kriegsende - wird auf das innenpolitische Klima der vierziger und fünfziger Jahre zurück geführt. Widerstandskämpfer wurden als "Eidbrecher", als "Feiglinge" und "Verräter", als "Verbrecher" und "Mörder" angesehen. Der österreichische Widerstand wurde angezweifelt, bagatellisiert oder geleugnet. Die Widerstandsforschung des Archivs entsprang demnach "nicht der vom offiziellen Österreich vertretenen 'Opfertheorie', sondern dem Bemühen um Selbstdarstellung der Widerstandskämpfer und Verfolgten und deren Selbstbehauptung gegen Ignoranz und Verdrängung". (APA)