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Michail Gorbatschow, Ex-Präsident der UdSSR.

Foto: Valentina Petrova/AP/dapd

Washington/London - US-Geheimdienste und Armeeoffiziere haben eine durchgehend skeptische Bilanz des jüngsten Kampfs gegen die Taliban in Afghanistan gezogen. Selbst massive Militäroffensiven hätten den islamistischen Kräften kaum gravierende Niederlagen zufügen können, berichteten US-Geheimdienstoffiziere nach Angaben der "Washington Post" vom Mittwoch. Die Ausweitung der Luftschläge und Kommandooperationen hätten zwar örtliche Taliban-Zellen geschwächt, aber die Islamisten hätten sich rasch wieder erholt. Der sowjetische Ex-Präsident Michail Gorbatschow hat unterdessen den USA geraten, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Der Krieg sei "nicht zu gewinnen", sagte Gorbatschow in einem BBC-Interview.

Die Taliban hätten ständig ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich innerhalb von Tagen zu reorganisieren und zu verjüngen, wurde ein hoher Pentagon-Beamter von der Zeitung zitiert. Getötete und gefangen genommene Talibanführer würden oft innerhalb von Tagen ersetzt, berichtete die "Washington Post". Die Aufständischen würden sich bei militärischem Druck zeitweise zurückziehen und auf ihre Rückkehrchance warten.

"Truppenabzug bald beginnen"

Gorbatschow sagte im BBC-Interview, US-Präsident Barack Obama liege richtig mit seiner Entscheidung, den Truppenabzug bald zu beginnen. "So schwierig das auch sein mag", so Gorbatschow, der 1988 den Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan nach fast zehnjähriger Präsenz verkündet hatte. Die Alternative wäre "ein zweites Vietnam" für die USA. Obama hatte jeden Vergleich zwischen den beiden Konflikten zurückgewiesen, als er 2009 die Entsendung von 30.000 zusätzlichen US-Soldaten nach Afghanistan ankündigte.

Gorbatschow beschwerte sich über das Verhalten der USA nach dem sowjetischen Truppenabzug. Es sei damals ein Abkommen erzielt worden mit dem Iran, Indien, Pakistan und den USA. Darin sei Afghanistan als neutrales, demokratisches Land definiert worden, das gute Beziehungen zu seinen Nachbarn unterhalte. Die USA hätten zwar gesagt, sie wollten das Abkommen einhalten. "Aber zur gleichen Zeit haben sie Aufständische trainiert - die gleichen, die jetzt Afghanistan und Teile Pakistans terrorisieren."

Der russische Botschafter in Kabul, Samir Kabulow, hatte bei verschiedenen Anlässen erklärt, die NATO habe sämtliche Fehler wiederholt, die die sowjetische Armee vor ihrem demütigenden Rückzug aus Afghanistan gemacht habe. Die vielen zivilen Opfer führten dazu, dass die Menschen sich den Taliban zuwenden würden. Es sei zu befürchten, dass ganz Afghanistan unter Taliban-Kontrolle komme. (APA/AFP)