Männlich, diskriminiert, in schlechter Gesellschaft und selbst Gewaltopfer: Das sind die vier Hauptfaktoren, die zu Jugendgewalt führen, sagt die EU-Grundrechtsagentur. In einer Untersuchung in Spanien, Frankreich und Großbritannien habe sich aber gezeigt, dass die Religionszugehörigkeit dabei keine Rolle spiele, betont die Behörde.

Je tausend Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren wurden dabei befragt. Rund jeder vierte Teilnehmer berichtete, schon einmal ungerecht behandelt und schikaniert worden zu sein. Auffällig ist dabei: Während es im Vereinigten Königreich keine Unterschiede zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Jugendlichen gab, sind sie in den beiden anderen Staaten deutlich. In Spanien etwa gaben zehn Prozent der Nichtmuslime an, schon einmal unfair behandelt worden zu sein - aber über 40 Prozent der Muslime.

Aus Sicht der Grundrechtsagentur ist die Folge, dass Muslime in einem Index, bei dem die Ansichten zu Gewalt gemessen werden, in Frankreich und Spanien eher zu aggressiven Antworten neigen als in Großbritannien. Der deutlichste Unterschied ist die Antwort auf die Frage, ob Gewalt gerechtfertigt ist, wenn die eigene Religion beleidigt wird. Das halten in allen drei Ländern die Muslime für deutlich gerechtfertigter als Nichtmuslime.

In der Realität scheint die Religionszugehörigkeit aber eine geringere Rolle zu spielen. Die Hauptgründe, gewalttätig zu werden, sind die Zugehörigkeit zu einer Jugendbande, eigene Gewalterfahrungen und schlechte wirtschaftliche Situation.

Kommen all diese Faktoren zusammen, gibt es keinen Unterschied zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Eine Auffälligkeit gibt es jedoch in Frankreich. Unter allen Gewalttätern sind dort Muslime deutlich häufiger aggressiv. Rund 25 Prozent der Täter haben fünfmal oder öfter zugeschlagen, bei den Nichtmuslimen sind es dagegen etwas über 15 Prozent. (moe, DER STANDARD-Printausgabe, 28. 10. 2010)