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Resultat der Hypo-Vergangenheitsbewältigung: Es gibt immer mehr Beschuldigte, neben dem Exchef W. Kulterer auch Grawe-Chef O. Ederer, und Forderungen J. Haiders (v. li.) nervten die Bayern.

Foto: APA/Gert Eggenberger

Die verstaatlichte Kärntner Hypo Alpe Adria wird auch heuer "massive Verluste" schreiben. Das sagte ihr Chef, Gottwald Kranebitter, am Mittwoch vor dem Klagenfurter Untersuchungsausschuss aus. Wie DER STANDARD erfahren hat, rechnet man 600 bis 700 Millionen Euro Minus. Auch über einen neuen Schutzschirm werde nachgedacht.

Neue Details auch aus der Vergangenheitsbewältigung: Die Justiz ermittelt bereits gegen 56 Beschuldigte, auch die Manager von Ex-Aktionär Grawe. Und Wolfgang Kulterer steht laut News im Verdacht, einen Beamten im Innenministerium bestochen zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Klagenfurt/Wien - Die Hypo Alpe Adria kommt wirtschaftlich nur schleppend voran. Hypo-Vorstandschef Gottwald Kranebitter gab am Mittwoch vor dem Kärntner Hypo-Untersuchungsausschuss Einblicke ins Desaster. 1,5 Mrd. flossen seit der Notverstaatlichung in die Bank, acht Mrd. müssten für faule Kredite am Balkan abgeschrieben werden, dazu 1,5 Mrd. an Risiko-Vorsorge. Weiters stehen Bund und Land Kärnten für Haftungen von 21,6 Mrd. gerade, die bis 2017 zurückgezahlt werden müssen. Für heuer erwartet der Bankchef "massive Verluste", 2012 will er die Hypo wieder in die Gewinnzone führen, sagte Kranebitter in Klagenfurt aus.

Von wohlinfomierten Bankern ist zu hören, dass der Jahresverlust heuer bei immer noch stolzen 600 bis 700 Mio. Euro liegen wird (2009: rund 1,6 Mrd. Euro). Im Hintergrund wird überlegt, einen neuen Schutzschirm über der staatlichen Bank aufzuspannen.

Man habe den Eindruck, dass "sich in den vergangenen Jahrzehnten niemand das Kreditrisiko der Bank angeschaut hat, auch Aufsichtsrat und Aufsicht nicht", meint ein Involvierter, auch die BayernLB sei den riskanten Kurs weitergefahren. Apropos: Laut News sagte ihr Ex-Chef Werner Schmidt aus, Jörg Haiders Forderungen nach Sport-Sponsorgeld seien ihm "eher lästig" gewesen.

In Österreich wurde längst mit dem Immo-Abverkauf begonnen; die Erlöse halten sich in Grenzen. So brachte der Verkauf von zwei Golfplätzen (Seltenheim und Finkenstein) an die Murhof-Gruppe rund um Johannes Goess-Saurau cirka drei Mio. Euro - der Gewinn für die Bank soll bei 500.000 Euro liegen. Dass Goess-Saurau mit Hypo-Anwalt Guido Held (mit einer verwitweten Goess-Saurau verheiratet) im Aufsichtsrat des Karton-Konzerns Meyr-Melnhof sitzt, hat laut einem Hypo-Kenner zwar "keine ideale Optik", aber: "Die Murhof-Gruppe war Höchstbieter." Held dazu: "Ich war selbst überrascht, als ich das ex post gehört habe. Aber ich habe mit den Verwertungen nichts zu tun und kenne Herrn Goess-Saurau nur beruflich aus dem Aufsichtsrat."

Was die von CSI Hypo und Justiz aufgearbeitete Vergangenheit betrifft, wurden am Mittwoch neue Details bekannt. Die Justiz ermittelt gegen 56 Beschuldigte, neben Ex-Bankchefs Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger oder Tilo Berlin auch gegen Grawe-Vorstandsmitglieder Othmar Ederer und Siegfried Grigg. der Standard betont, dass die Betroffenen die Vorwürfe zurückweisen und dass die Unschuldsvermutung gilt. Ederer (früher als Minderheitseigentümer-Vertreter im Hypo-Aufsichtsrat) soll wegen der Vorzugsaktien (der Standard hat berichtet) verfolgt werden. Gegen Grigg (Herbst 2006 bis Juni 2007 im Bankvorstand) gibt es sechs Anzeigen. Dabei geht es um Kreditfälle sowie um einen Vertrag mit einem langjährigen Geschäftspartner, dessen Leistung nicht ersichtlich sein soll.

Ex-Bankchef Kulterer (seit 13. August in U-Haft) soll laut aktuellem News zuletzt engen Kontakt zu BZÖ-Politiker Stefan Petzner gehabt haben. Das Magazin beruft sich auf Telefonüberwachungs- und Einvernahmeprotokolle, wonach Kulterer am Tag seiner Verhaftung ein Treffen mit Wirtschaftsprüfer Karl-Heinz Moser (Ex-Wirtschaftsprüfer und Ex-Aufsichtsrat der Hypo; Anm.), "eventuell Josef Kircher" (Ex-Hypo-Manager) und seinem "persönlichen Medienberater Siegbert Metelko" geplant hatte. Dabei hätte es um "Ablauf und Fakten der Vorzugsaktiengeschichte" gehen sollen.

Verdacht der Bestechung

Auch die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien ermittelt laut News gegen Kulterer, wegen Verdachts auf Anstiftung zum Amtsmissbrauch. Kulterer habe heuer rund um eigene Geschäfte in Rumänien ebendort Anzeige erstattet. Als nichts weiterging, habe er einen in Rumänien gut vernetzten Beamten im Wiener Innenministerium 12.000 Euro für die "Beschleunigung" des Verfahrens in Rumänien bezahlt. Der Mann (gegen ihn wird ermittelt) sei früher für die Sicherheit von Ingrid Flick zuständig gewesen; Kulterer saß in ihrem Stiftungsvorstand. (Renate Graber, Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2010)