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"Néstor, dein Licht wird für immer strahlen" - Mit diesem Spruch gedachten am Donnerstag seine Anhänger in Buenos Aires des verstorbenen Ex-Präsidenten Néstor Kirchner

Foto: REUTERS/Bernardino Acosta

Buenos Aires / Wien - Argentinien ist erschüttert. Zehntausende Menschen versammelten sich in der Nacht auf Donnerstag vor dem Präsidentenpalast auf dem Plaza de Mayo, um den Tod des ehemaligen Staatsoberhauptes Néstor Kirchner zu betrauern. Bis heute, Freitag, hat die Regierung seiner Frau Cristina Fernández Kirchner Staatstrauer verordnet.

Präsidentswahlen im nächsten Jahr

Doch die friedliche Prozession markierte zugleich den Beginn eines neuerlichen politischen Kampfes. In weniger als einem Jahr, am 23. Oktober 2011, soll in dem Land am Rio de la Plata ein neuer Präsident gewählt werden. Bisher galt ein neuerliches Antreten von Néstor Kirchner als sicher. Mit seinem plötzlichen Hinscheiden werden die Karten neu gemischt.

Alles rechnet nun mit einer zweiten Kandidatur seiner Frau Cristina. Noch am Abend seines Todes waren in Buenos Aires Spruchbänder zur ihrer Unterstützung aufgetaucht. Ihr Mann galt schließlich als der Begründer einer gemeinsamen Koalition aus Interessensgruppen, darunter die meisten Gewerkschaften. Ob diese heterogene Allianz auch ohne die Präsenz Néstor Kirchners seiner Frau Folge leisten werden, wird von Industriellen und Investoren lautstark angezweifelt.

Kämpfe mit den Managern

Die Kirchners haben sich im Laufe der vergangenen Jahre mit vielen mächtigen Wirtschaftsbossen des Landes angelegt. Eine besondere Fehde trugen sie dabei mit der Grupo Clarín aus, dem größten Medienkonzern des Landes. Dessen führende Blätter Clarín und La Nacion befinden sich in ständiger Opposition zu den Kirchners.

Die Regierung antwortete zuletzt Ende August mit einer Klage gegen die Eigentümer der Gruppe. Clarín soll zu Zeiten der Militärdiktatur 1976 die Papierfabrik Papel Prensa auf illegale Weise erworben haben. Néstor Kirchner hatte sich wiederholt für die Aufklärung der Machenschaften der Diktatur zwischen 1976 und 1983 eingesetzt, und damit viele Profiteure von damals verstört.

Stein des Anstoßes für die Wirtschaftselite des Landes ist aber vor allem die interventionistische Politik unter Néstor und Cristina Kirchner. Wiederholt versuchte die Regierung, die industrielle Entwicklung durch staatliche Eingriffe anzukurbeln. So verstaatlichte Argentinien einige Firmen, zudem weigerte sich Néstor Kirchner, im Jahr 2005 ein bereits ausverhandeltes Freihandelsabkommen mit den USA zu unterschreiben.

Cristinas Grund zum Optimismus

Trotz des zu erwartenden Widerstandes hat Cristina Kirchner einigen Grund zum Optimismus. In den Umfragen hatte sie bisher stärker abgeschnitten als er, und die öffentlichen Sympathiekundgebungen für die Witwe dürften ihre Beliebtheit in den kommenden Wochen weiter steigern. Auch ein konzilianter Auftritt gegenüber politischen Gegner könnte ihr dabei behilflich sein.

Auch die ökonomischen Daten sprechen für ihre Regierung. Laut Prognosen soll die Wirtschaft in diesem Jahr um mehr als acht Prozent wachsen. Dies schafft eine mehr als günstige Ausgangslage für einen erneuten Wahlsieg von Cristina Kirchner. (Alexander Fanta, STANDARD-Printausgabe, 29.10.2010)