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Foto: APA/EPA/NASA T.V.

Washington - Vor gut 400 Jahren büßte man diese Behauptung noch mit dem Leben: Nachdem Giordano Bruno in den Sternen am Himmel Sonnen erkannt hatte, dort weitere Planeten und sogar Leben vermutete, wurde er dafür - und andere gotteslästerliche Thesen - im Jahr 1600 mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen bestraft.

Mittlerweile wissen wir längst, dass der Ketzer mit seiner Kritik am geozentrischen Weltbild recht hatte und dass es selbstverständlich jede Menge extrasolare Planetensysteme und Exoplaneten gibt. Anfang Oktober 2010 hielt man immerhin bereits bei 492 bekannten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Diese vergleichsweise geringe Zahl ist dabei vor allem den riesigen Entfernungen und den verbesserbaren Beobachtungstechniken geschuldet.

Tatsächlich dürften Sonnensysteme wie das unsere noch viel häufiger sein als man bisher angenommen hat. Das jedenfalls behauptet ein internationales Astronomenteam in der aktuellen Ausgabe des US-Wissenschaftsjournals Science (Bd. 330, S. 653). Die Forscher kommen nach mehrjährigen Beobachtungen sonnenähnlicher Sterne zum Schluss, dass rund 23 Prozent von ihnen Planeten beherbergen dürften, die unserer Erde sehr ähnlich sind.

Konkret studierten die Astronomen fünf Jahre lang 166 Sterne der sogenannten G- und K-Klasse, die bis zu 80 Lichtjahre von der Erde entfernt sind, und bestimmten mit dem Keck-Teleskop in Hawaii die Anzahl, Masse und Sonnennähe der möglichen Planeten.

"Dabei zeigte sich, dass von rund 100 typisch sonnenähnlichen Sternen (unsere Sonne ist ein Stern der G-Klasse) einer oder zwei Planeten der Größe Jupiters besitzen", sagt Andrew Howard von der Universität Berkeley. "Ungefähr sechs haben die Größe Neptuns und ungefähr zwölf haben Super-Erden mit der drei- bis zehnfachen Erdmasse". Und eben knapp ein Viertel dieser Sterne dürften Planeten haben, die so groß wie unser Heimatplanet sind.

Und das wiederum bedeute, "dass wir mit der nächsten Generation von Teleskopen nicht allzu weit Ausschau halten müssen, um demnächst auch wirklich erdähnliche Planeten zu entdecken", so Howard. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. Oktober 2010)