Athen/Wien - Für einige wenige geht es um den Sieg und Prämien, für die vielen anderen ums Durchkommen. Das verbindet Athen mit allen Marathons weltweit, unglaubliche 1900 an der Zahl sind es übrigens. Weltrekord ist am Sonntag sowieso keiner zu erwarten, die Strecke ist ob ihrer Steigungen schwierig, und die Stars der Marathonszene konzentrieren sich auf jene großen Läufe, bei denen sie wirklich gut verdienen. Den Weltrekord (2:03:59 Stunden) hält der Äthiopier Haile Gebrselassie seit Berlin 2008, wo er 250.000 Euro an Startgeld und 130.000 Euro an Prämie einstreifen konnte. Der Dubai-Marathon lobt für eine neue Bestmarke seit Jahren eine Million US-Dollar aus, doch ist in Dubai selbst Gebrselassie dreimal gescheitert.

Insgesamt 12.500 nehmen am Sonntag in Athen den Marathon unter die Beine. Allein vierzig Österreicher wurden per Pauschalarrangement - Flug und vier Nächte (Doppelzimmer) um 685 Euro - vom Linzer Reisebüro Runners unlimited auf den Weg geschickt. Die Firma ist eine hundertprozentige Tochter von Geo Reisen und steht am Ende ihres zweiten Geschäftsjahrs. 2009 wurde allein der New York Marathon angeboten, heuer umfasste der Katalog zehn Marathons, Tendenz weiter steigend.

Runners unlimited als Mitglied von T.O.U.R.S., der internationalen Vereinigung spezialisierter Marathon-Reiseveranstalter, hat fast ein Monopol am österreichischen Markt. Viele Marathon-Organisatoren überlassen diesen Reiseveranstaltern ein gewisses Startkartenkontingent und geben sich ansonsten bei Anfragen aus dem Ausland restriktiv. Bei den populärsten Marathons gibt es stets mehr Interessenten als Startplätze, hier sind österreichische Läufer de facto auf das Linzer Reisebüro angewiesen.

Die große Nachfrage

Athen dient nur heuer als Beispiel dafür, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Im März bereits war das von den Behörden erlaubte Teilnehmerlimit erreicht und Anmeldeschluss. Beim großen New York City Marathon hingegen, eine Woche nach Athen, ist es traditionell recht schwierig, an den Start zu kommen. In den USA ist die Nachfrage so groß, dass Startnummern verlost werden. Auch Runners unlimited könnte weit mehr als die 180 Startnummern brauchen, die New York zur Verfügung stellt.

Wie der Marathonlauf in Österreich in die Breite gegangen ist, lässt sich an den Teilnehmerzahlen des Vienna City Marathons ablesen. 1984, bei der Premiere, waren 1550 Menschen auf dem laufenden, 1990 erstmals mehr als 5000, 1995 erstmals mehr als 10.000, 2001 erstmals mehr als 20. 000, 2007 erstmals mehr als 25.000, und heuer erstmals mehr als 30.000. Wobei auf den Halbmarathon (11.000) und die Staffel (10.000) mehr Teilnehmer entfielen als auf die klassischen 42,195 Kilometer (7175), dazu kamen knapp 4500 Kinder auf zwei kürzeren Distanzen.

Schwer abschätzen lässt sich, wie groß der Marathonreisemarkt in Österreich ist. Insgesamt laufen etwas mehr als 10.000 Österreicherinnen und Österreicher regelmäßig Marathon, viele von ihnen bleiben im Lande, geben sich also Wien, Graz, Linz, Salzburg, die Wachau oder Bregenz (Drei-Länder-Marathon). Dafür sind jene, die ihre sportliche Ambition mit einem Städtetrip ins Ausland verbinden, oft in Begleitung unterwegs. Der Vienna City Marathon versammelte heuer mehr als 7500 Läuferinnen und Läufer aus dem Ausland (107 Nationen), sie und ihre Begleitpersonen gaben 7,8 Millionen Euro aus. Wolfgang Konrad, der das Business in schwierigen Zeiten (1988) übernahm, machte den Marathon zum größten Sportevent Österreichs. Was als Versuch begann, ist heute ein Ganzjahresjob für Konrad und mehrere Angestellte.

Mit einem Jubiläum kann Wien erst wieder 2013 dienen - und werben. Eine 30. Auflage nimmt sich freilich im Vergleich mit jenen 2500 Jahren, die Athen heuer bietet, recht bescheiden aus. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.10. 2010)