Ein praktizierender Workaholic hat eine weitere Aufgabe übernommen: Franz Fiedler, seit elf Jahren Rechnungshofpräsident, wurde für den Vorsitz im Österreich-Konvent vorgeschlagen. Innerhalb von 18 Monaten soll eine umfangreiche Staats- und Verfassungsreform ausgearbeitet werden. Womit klar ist, dass sich der 59-Jährige in seiner Amtszeit als RH-Präsident einen tadellos überparteilichen Ruf erworben hat.

Denn noch bei seiner Bestellung an die Spitze des Kontrollorgans wurde er von der SPÖ als schwarzer Parteisoldat beargwöhnt. Schließlich arbeitete Fiedler nach einer klassischen Juristenlaufbahn ab 1980 sechs Jahre lang als Sekretär im ÖVP-Parlamentsklub.

Seine Stationen davor: 1970 Richter am Bezirksgericht Tulln, 1973 stellvertretender Vorsitzender des Arbeitsgerichts Tulln, 1973 Staatsanwalt in Wien, 1976 Oberstaatsanwaltschaft Wien, 1979 deren stellvertretender Leiter.

Über eine Empfehlung wurde er vom damaligen ÖVP-Chef Alois Mock in die Politik geholt. "Ich bin ihm zu tiefem Dank verpflichtet, er hat mir immer vertraut und mich sehr gefördert", sagt Fiedler heute.

Trotz knochentrockener Materien, mit denen er sich ein Leben lang auseinander setzte, hat sich der RH-Präsident eine erfrischend direkte Sprache bewahrt. Und eine gewisse Unerschrockenheit: Vor der letzten Nationalratswahl schockte er seine im Taumel des Nulldefizits befindlichen Parteikollegen, indem er die vorwiegend einnahmenseitigen Maßnahmen zur Budgetsanierung kritisierte. Doch als oberster Kontrollor des Landes muss man ja nicht von allen geschätzt werden.

Auch als Vorsitzender des Österreich-Konvents wird er es wohl nicht allen recht machen können. Fiedler will dort "unorthodoxen Gedanken Raum geben". Die Idee des Konvents ist ihm auch aus seinem liebsten Hobby vertraut: Geschichte, Spezialgebiet Französische Revolution. Wenn ihm ein wenig Zeit bleibt, ist der Fan moderner bildender Kunst in Museen und bei Vernissagen anzutreffen. Dennoch antwortet Fiedler bei der Frage nach seinem Privatleben spontan: "Ich habe keines." Immerhin hat der mit einer diplomierten Krankenschwester Verheiratete aber zwei Kinder in die Welt gesetzt, die inzwischen erwachsen sind.

Fiedlers Verhältnis zu den Medien ist unverkrampft-pragmatisch: "Empfehlungen des Rechnungshofes haben eine größere Chance, umgesetzt zu werden, wenn sie veröffentlicht werden."

Ohne Zigarette trifft man den gebürtigen Wiener selten an. Doch Kettenraucher sei er nicht, wehrt Fiedler ab. Eher "Genussraucher", sozusagen im Dienste des Staates. Immerhin komme ein beträchtlicher Teil der Ausgaben für die geliebten Mentholzigaretten dem Finanzminister zugute.(Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.5.2003)