Wien - Drei Forschungsgruppen der MedUni Wien und der Max F. Perutz Laboratories konnten in einer interdisziplinären Zusammenarbeit überraschende Erkenntnisse über das Wachstum bösartiger Tumoren gewinnen. Die ForscherInnen hoffen, dass die Erkenntnisse, die im Fachmagazin "EMBO Journal" veröffentlicht wurden, neue und besonders effektive Therapieansätze ermöglichen.

Hintergrund

Histondeacetylasen - kurz HDACs - sind eine Gruppe von Enzymen, die das Zellverhalten maßgeblich beeinflussen und denen so auch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Tumoren zugeschrieben wird. HDAC-Inhibitoren - also Substanzen, welche die Aktivität dieser Enzyme in der Zelle unterdrücken - stellen daher eine vielversprechende Wirkstoffgruppe in der Krebstherapie dar und werden derzeit bereits in klinischen Studien getestet.

Untersuchung

"Unter den Enzymen der HDAC-Gruppe hatten wir insbesondere HDAC1 in Verdacht, für die Aggressivität von Tumoren verantwortlich zu sein, da es für die Regelung des Zellwachstums wichtig ist", erklärte Christian Seiser. Die ForscherInnen untersuchten die Funktion der Enzyme an Teratomen, einer speziellen Gruppe von Tumoren, die sich vorwiegend an den Keimzellen - also Eierstöcken bzw. Hoden - bilden und die in vielen Fällen bösartig werden. Die Untersuchungen erfolgten anhand von Mausmodellen und durch die Kooperation mit klinischen Forschungsgruppen auch im Vergleich mit menschlichen Tumorzellen.

Zur Überraschung der Forscher stellte sich heraus, dass die Teratome bösartiger wurden, wenn die Produktion von HDAC1 unterdrückt wurde. Diese Erkenntnis widerlegt die bisherige Annahme, dass eine Überproduktion an HDAC1 generell für das unkontrollierte Tumorwachstum verantwortlich sein könnte, gab die MedUni Wien in einer Aussendung bekannt.

Schlussfolgerung

Die Forschungsergebnisse könnten es nun ermöglichen, HDAC1 als neuen "Marker" für die potentielle Aggressivität von Tumoren einzusetzen. Ein möglicherweise bösartiger Tumor könnte so bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt werden. Gleichzeitig liefern die ForscherInnen einen Ansatzpunkt für die Entwicklung maßgeschneiderter Krebstherapien: "Wenn man sich auf ein bestimmtes Enzym statt auf eine ganze Gruppe konzentriert, zeigen die Therapien meistens wesentlich weniger Nebenwirkungen", beschreibt Lukas Kenner den neuen Therapieansatz. So konnten die ForscherInnen zeigen, dass die Blockade eines einzigen von HDAC1 gesteuerten Zielgenes, SNAIL1, genügt, um das Tumorwachstum in kurzer Zeit um mehr als 80 Prozent zu reduzieren. (red)