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Hans Pum (li): "Wir wollen überall die besten der Welt sein."

Foto: APA/ Pfarrhofer

Wien - Die Aufgabe ist komplex, und Hans Pum fasst sie in einem einfachen Satz zusammen: "Früher habe ich darauf geschaut, dass die Alpinen alles haben. Jetzt schau ich darauf, dass alle alles haben." Ob man das so verstehen könne, dass nun ein neuer Verteilungsschlüssel angewandt werde? "Nein, es geht um die Verbesserung der Zusammenarbeit und darum, Synergien in der Organisation zu finden und zu nützen."

Seit 34 Jahren arbeitet der Oberösterreicher Pum im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Der 56-Jährige war Konditionstrainer, Slalomtrainer, Cheftrainer, fürs Marketing zuständig, von 1996 an gab er den Alpindirektor, seit heuer ist er Sportdirektor und als solcher für die Koordination der diversen Sparten zuständig, also Skispringen, nordische Kombination, Langlauf, Biathlon, Snowboard, Skicross, Behindertensport, die Alpinen.

In jeder Sparte sei viel Wissen vorhanden, nun gehe es darum, das Wissen den anderen besser zugänglich zu machen. Des Skispringers Statur beispielsweise pflegt eine andere zu sein als jene des Abfahrers, und doch können die beiden voneinander lernen. Die Springerei ist beim Trainieren der Schnellkraft im Laufe der Jahrzehnte weit vorgedrungen, in der Abfahrt tüftelt man seit alters an der Hocke oder am perfekten Gleiten. Und das jeweils eine kann auch der jeweils andere gut brauchen.

Am meisten könnten die diversen Sparten im Materialsektor voneinander profitieren. 39 Leute sind gegenwärtig im ÖSV mit diesem Thema spartenübergreifend beschäftigt, dabei geht es um Ski- und Snowboard-Präparierung, um die Entwicklung von Rennanzügen und andere Materialtests. Und die Verantwortlichen aller Abteilungen treffen einander regelmäßig zwecks Gedankenaustauschs.

"Die Alpinen", macht Pum freilich trotz seiner neuen Aufgabe klar, "sind das Flaggschiff. Viele Urlauber kommen ja nicht zum Skispringen nach Österreich." Die Alpinen sind den Sponsoren eben am meisten wert. Die Erfolgreichen unter ihnen verdienen am meisten, aber sie tragen auch am meisten zum Gesamtbudget des Verbandes bei.

Doch auch die Springer sind, abgesehen vom für Österreich so wichtigen Aspekt des Tourismus, auf einem finanziell guten Weg. Dazu trägt vor allem die deutsch-österreichische Vierschanzentourne bei. "Die Springer haben gute TV-Quoten und dadurch potente Sponsoren." Schließlich will einer, der seinen Schriftzug auf einen Sportler pickt, diesen möglichst oft im Fernsehen sehen. "Es gibt Sponsoren", sagt Pum, "die als Bedingung für einen Vertrag verlangen, dass die Events im deutschen Fernsehen übertragen werden." In dieser Hinsicht sind die Alpinen heuer glücklich. Das deutsche TV überträgt mehr Rennen als zuletzt, was einerseits an den Erfolgen der deutschen Damen liegt, andererseits an Garmisch-Partenkirchen, das im Februar 2011 die alpine WM veranstaltet. Und an München, dem Kandidaten für die Olympischen Winterspiele 2018.

"Es wäre gut", sagt Pum, obwohl verantwortlich für den österreichischen Schneesport, "dass auch bei den deutschen Herren was geht." Schließlich sei Deutschland der wichtigste Markt. Und in diesem Zusammenhang betont er die Wichtigkeit der österreichischen Skifahrt für das Land: "Wir machen ja Werbung für die Gesamtwirtschaft."

Auf dem besten Weg sieht er die Biathleten. Die haben es immerhin geschafft, trotz des olympischen Dopingskandals von Turin 2006 in die Weltspitze vorzustoßen. Biathlon sorgt nicht zuletzt in Deutschland für hervorragende TV-Quoten.

Und die nordischen Kombinierer? "Eine gute Truppe. Aber es geht wie überall ums Geld. Heuer sind in der Kombination drei Weltcupveranstaltungen ausgefallen. Wir müssen schauen, dass wir diese Sportart besser vermerkten." Das Flaggschiff, also die Alpinen, ist am kommenden Wochenende wieder an der Reihe. In Levi, Finnland, geben Damen und Herren jeweils einen Slalom. Und dort geht es um dasselbe wie in allen anderen schneesportlichen Übungen. "Wir wollen die Besten der Welt sein", sagt Pum. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 8. November 2010)