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Einer fehlte Dienstag: Publikumsratschef Preinfalk (li.) und die SPÖ sorgten dafür, dass ORF-Chef Wrabetz (Mi.) nicht schon im Publikumsrat auf Oberhauser (re.) traf. Aber am Donnerstag im Stiftungsrat.

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"Ich weiß schon, es ist lustig, wenn man sagt, da streiten zwei bekannte Direktoren miteinander", so Wrabetz im Publikumsrat.

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Wien - Wutschnaubend aus der Sitzung des Publikumsrats: Dazu trieb die ÖVP Infodirektor Elmar Oberhauser erst 2008. Dienstag hätte sie ihn gern hineingeholt - nun steht er nach seinem Protest gegen ORF-Chef Alexander Wrabetz vor der Abwahl. Damit scheiterten die Bürgerlichen an der roten Mehrheit. Oberhauser zu hören wäre für den Ratschef Hans Preinfalk "nur ein weiterer politischer Gag in einer Auseinandersetzung, die schon sehr weit auf die politische Ebene geraten ist".

Auf der Ebene nahm die Debatte ihren Ausgang: Elmar Oberhauser protestierte in einem internen Rundmail gegen Alexander Wrabetz' Bestellung eines neuen TV-Chefredakteurs gegen seinen Vorschlag: "Ich muss eingestehen, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, völlig unzulässige Einmischungen, in diesem Fall von der SPÖ, zu verhindern." Kurz zuvor brachte Oberhauser Wrabetz noch von einer Besetzung auf Wunsch der ÖVP ab. Nach dem Mail beurlaubte ihn der General, beantragte seine Abwahl im Stiftungsrat am Donnerstag.

"Vor wem haben Sie Angst?"

Dort darf sich Oberhauser erklären. Nicht im Publikumsrat, das habe "die SP-Mehrheit unterdrückt", protestiert Andreas Kratschmar: "Vor wem haben Sie Angst? Vor Oberhauser? Vor Frau Rudas?", also SP-Managerin und ORF-Politikerin Laura Rudas. Das Gremium sei nicht für Personalfragen zuständig, antwortet Preinfalk. Auf eine Aussprache mit den Betroffenen zu verzichten bedeutet für Kratschmar die "Selbstkastration des Publikumsrates".

Die ORF-Führung bietet dem bürgerlichen Rat "ein katastrophales Bild". Oberhauser sei dem Gremium als Garant von "Sauberkeit" "verkauft" worden - warum wolle man ihn nun "loswerden"? Radiodirektor Karl Amon habe Publikumsräten versichert: "Er overruled führende Mitarbeiter nicht."

Kratschmar konstatiert eine Führungskrise, eine Image- und Legitimationskrise und eine Programmkrise, die Quotenhoffnungen des Herbstes lägen unter den Durchschnittszahlen ihrer Sendeplätze: "Drei Krisen zu viel!"

Pröll überwies 50 Millionen

ORF-Chef Alexander Wrabetz gibt Kratschmar überraschend recht - zunächst. Oberhauser habe den Konflikt mit seinem Rundmail an die Öffentlichkeit getragen. Er habe "Unabhängigkeit und Sauberkeit aus dem Inneren infrage gestellt". Er habe Mitarbeiter "punziert". Oberhauser müsse wissen, dass er damit die öffentliche Debatte um den ORF "beflügelt". Zeitungen zeichneten ohnehin ein "bewusst verzerrtes Bild" vom ORF, "eine Beleidigung von tausenden Mitarbeitern und dutzenden Führungskräften".

Dass der ORF - nach 80 und 44 Millionen Euro Verlust - heuer 10,9 Millionen Plus erwartet, fand Wrabetz "nur in Fußnoten". Die ersten 50 Millionen Euro Extra-Gebührenabgeltung des Bundes hat Finanzminister Josef Pröll vorige Woche dem ORF überwiesen. Die sicherten den Fortbestand von Orchester und Filmförderung, sagt Wrabetz. Das Plus schaffe der ORF aber ohne sie.

ORF-Quote: 72,5 Prozent

Auch der TV-Marktanteil ist viel besser als sein Ruf: 72,5 Prozent schafft der ORF heuer. Allerdings nur in jenen 9000 Haushalten, die allein über Digitalantenne fernsehen und damit neben dem ORF ATV, Puls 4, Servus TV, 3sat und ORF Sport Plus bekommen. Bei voller Konkurrenz schaffen die ORF-Programme bis Ende Oktober noch 35,9 Prozent. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 10.11.2010)