Zieren den teuren Parkettboden in der neuen Wohnung unschöne Fugen und Verwerfungen, ist dies eine Folge erhöhter Feuchtigkeit. Die genaue Ursache dieser Feuchteschäden ist jedoch sehr schwer zu eruieren: Lüften die Bewohner zu wenig? War der Estrich noch zu feucht, als der Parkettboden verlegt wurde? Ist die Abdichtung zum Untergrund nicht ausreichend? Als Sachverständiger ist Helmut Jilg laufend mit diesen versicherungstechnisch höchst relevanten Fragen konfrontiert.

Das große Problem bei der Ursachensuche: "Zwar kann die sogenannte Verlegereife des Estrichs mit einem genormten Messverfahren überprüft werden - allerdings nur an einem einzigen Punkt" , sagt Helmut Jilg, der neben seiner Gutachtertätigkeit auch eine eigene Parkettbodenfirma betreibt. "Um die Schadensursache zuverlässig eruieren zu können, müsste man jedoch über die Transportmechanismen der Feuchtigkeit im gesamten Parkett genauestens informiert sein." Dies könnte, so die Idee des findigen Unternehmers, mithilfe kleiner Sensoren funktionieren, die in den Hohlraum zwischen Estrich und Parkett eingefräst werden. "Damit können Temperatur- und Feuchteverläufe über die Zeit ermittelt werden" , sagt Jilg. Um seine Idee umzusetzen und die so erfassten Messdaten auch richtig interpretieren zu können, hat sich der Unternehmer an das CFD-Centre Austria gewandt.

Diese Forschungseinrichtung ist eines der mittlerweile drei neuen nach dem Erfinder der Schiffsschraube benannten Josef-Ressel-Zentren, mit denen nun auch an den österreichischen Fachhochschulen praxisnahe Forschung mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums verankert werden soll. Angebunden an das Studien- und Forschungszentrum Pinkafeld der Fachhochschulstudiengänge Burgenland geht es hier um die Optimierung verfahrenstechnischer Prozesse in der Gebäude-, Energie- und Umwelttechnik mittels CFD-(Computational Fluid Dynamics)-Simulation.

"Mit Computersimulation können viel rascher und günstiger Informationen generiert und Optimierungen durchgeführt werden" , sagt Forschungsleiter Arne Ragossnig. So lässt sich die Austrian Wind Power vom CFD-Centre Windenergiepotenziale ermitteln, da die Simulationen eine sehr kostengünstige Alternative zu experimentellen Verfahren wie Windkanalversuchen darstellen.

Das Know-how spielte auch bei der Entwicklung des Messsystems in Zusammenarbeit mit Helmut Jilg eine zentrale Rolle: "Wir legen die gemessenen Werte auf reale Prozesse um und berechnen den Einfluss der Sensoren auf den Feuchtetransport" , sagt Projektleiter Christian Heschl. Um das Simulationsmodell mit den erforderlichen Daten kalibrieren zu können, entsteht am Zentrum zurzeit eine umfangreiche Datenbank mit den feuchtetechnischen Eigenschaften verschiedenster Parkett- und Estricharten.

Mit dem aus der Forschungskooperation hervorgegangenen Messsystem "fidbox" ist es erstmals möglich, die Ursachen von Feuchteschäden ohne Beeinträchtigung des Bodens zu bestimmen. Eine Innovation, die Jilgs Firma und ihren wissenschaftlichen Partnern übrigens den niederösterreichischen Innovationspreis sowie die Nominierung für den österreichischen Staatspreis einbrachte. (grido/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2010)