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Südkoreas Polizei macht für G-20 mobil.

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Seoul - Zwei Tage vor Beginn des G-20-Gipfels inSüdkorea sind die USA wegen ihrer Wirtschaftspolitik erneut unter Beschuss geraten. China warnte am Dienstag, die Politik des leichten Geldes destabilisiere die Weltwirtschaft und drohe einer neuen Krise Vorschub zu leisten.

Der Vizegouverneur der People's Bank of China, Ma Delun, äußerte die Sorge, dass die jüngste US-Liquiditätsspritze von 600 Milliarden Dollar die Bemühungen um mehr Gleichgewicht in der Weltwirtschaft unterminieren könnte. Zudem gerieten die Schwellenländer unter Druck, den freien Kapitalverkehr zu begrenzen, um einen massiven Zustrom von billigen Dollars und damit die Bildung von neuen Blasen zu verhindern, sagte Ma Delun.

Chinas Vize-Premier Wang Qishan äußerte sich nach einem Treffen mit dem britischen Finanzministers George Osborne in Peking ähnlich - ohne die USA beim Namen zu nennen. Osborne begleitet den britischen Premier David Cameron, der mit Chinas Präsident Hu Jintao vor dem Gipfel zusammenkam. Wang warnte vor fortbestehenden Risiken für die Weltwirtschaft. So seien die Schwellenländer mit großen Kapitalzuflüssen und damit Inflationsrisiken konfrontiert. Es gebe ein Übermaß an Liquidität in der Welt, mit der Folge riesiger Kapitalbewegungen. All das könnte frisch zurückgewonnenes Vertrauen an den Märkten wieder zerstören, sagte der chinesische Vizepremier.

Die Fed hatte erst vergangene Woche angekündigt, Staatsanleihen im Wert von 600 MilliardenDollar zukaufen. Durch die Maßnahme sollen Anleihenzinsen sinken, was den Aktien- und Hypothekenmarkt interessanter für Investoren machen würde.

Kritische Worte kamen auch von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. In einem Interview mit der Financial Times lehnt sie den US-Vorschlag für eine Begrenzung von Leistungsbilanzüberschüssen einzelner Staaten ab. Die Kanzlerin vermied aber einen aggressiven Ton gegenüber Washington, zuletzt kritisierten deutsche Minister die US-Finanzpolitik ja ungewöhnlich heftig. Merkel verteidigte im Interview auch Chinas Wechselkurspolitik, was ebenfalls einen Rückschlag für die USA bedeutet. (AP, DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2010)