Foto: Flyer QWIEN

Wien - "Als ob es in den 50er Jahren in Österreich keine Lesben gab!" Das Bild der Frau als treue Ehefrau und Mutter oder die strafrechtliche Situation ließen keine Öffentlichkeit von Frauenbeziehungen zu. Aber mit welchen Identitäten lebten frauenliebende Frauen? Wie war der Alltag von Frauenbeziehungen? Diesen Fragen geht eine Veranstaltung von "QWIEN - Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte" nach.

Lesbisches Leben in den 50er Jahren in Österreich ist nach wie vor ein weitgehend unerforschtes Gebiet. Schriftliches, bildliches oder auch mündliches Quellenmaterial gibt es nur sehr spärlich. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Wiederaufbauzeit reduzierte die Frau auf ihre Rolle als häusliche Ehefrau und Mutter. Die heterosexuelle Norm und die Dominanz der Männer in der Öffentlichkeit waren trotz des Frauenüberschusses prägend. Erschreckend war die strafrechtliche Situation für Homosexuelle: Auch wenn Männer mehr betroffen waren als Frauen, in der neugegründeten Republik galt der gleiche Strafrechtsparagraph (§129b StGB) wie im diktatorischen NS-Staat.

Sexualwissenschaftliche Auffassungen und Beengung

Beengende Verhältnisse, unter denen es schwierig war, für frauenliebende Frauen eine eigene Identität zu finden. Welche Auswirkungen hatte dieses Frauenbild auf das Verhalten der Gesellschaft gegenüber Frauenpartnerschaften? Welche sexualwissenschaftlichen Auffassungen bestimmten diese Jahre? Warum erfahren wir heute so wenig von dieser Zeit? Diese Fragen will die Veranstaltung "Wenn die Conny mit der Petra..." beantworten oder diskutieren.

Im Einführungsvortrag wird ein Blick auf die Situation in Deutschland geworfen. Für die anschließende Podiumsdiskussion werden Vertreterinnen aus Österreich eingeladen, die wissenschaftlich oder künstlerisch über die 50er Jahre arbeiten.  (red)